| Bericht des Generalsekretärs 1996, Inhalt Report of the Secretary-General 1996, Table of contents |


88. Während des Berichtszeitraums wurden beträchtliche Fortschritte bei der Durchführung meines Plans für eine umfassende Managementreform erzielt, der in meinem letzten Jahresbericht im Detail ausgeführt ist. Die Bemühungen mit dem Ziel, aus den Vereinten Nationen eine zielgerichtete und ergebnisorientierte Organisation zu machen, die bessere Leistungen, eine höhere ProduktIVität und größere Kostenwirksamkeit vorweisen kann, sind bereits weit gediehen.
89. Die Bemühungen um eine Managementreform galten neben vier strategischen Managementbereichen - Kostenstruktur, Humanressourcen, Informationswesen und Technologie - einem weiteren, fünften strategischen Bereich, nämlich dem Arbeitsprogramm der Organisation. Dieser fünfte Bereich läßt sich am besten nicht als Bestandteil der Managementreform, die hauptsächlich der Verantwortlichkeit des Generalsekretärs untersteht, sondern als Teil der Organisationsreform begreifen, die sich mit der Vereinfachung der Sekretariatsstrukturen und mit der Straffung sowohl der Vielfalt der Programme und Fonds als auch ihrer Beziehung zum Sekretariat befaßt; als solche liegt diese in der gemeinsamen Verantwortung des Generalsekretärs und der Mitgliedstaaten. In allen fünf Bereichen hat es Errungenschaften und Fortschritte gegeben. Die Voraussetzungen für weitere Verbesserungen wurden geschaffen, und der Prozeß geht weiter.
90. Die Verbesserung des Managements der Kostenstruktur der Organisation war einer der Schwerpunkte des vergangenen Jahres, in dem ich den Entwurf eines Haushaltsplans vorlegte, der erstmals ein nominelles Nullwachstum auswies und der von der Generalversammlung gebilligt wurde. Im Haushaltsplan für den Zweijahreszeitraum 1996-1997, der Mittelbewilligungen in Höhe von 2.608 Millionen Dollar ausweist, sind jedoch über die in meinem Entwurf des Haushaltsplans bereits eingeplanten 98 Millionen Dollar an Einsparungen hinaus weitere Kostensenkungen in Höhe von 154 Millionen Dollar vorgesehen, die von der Generalversammlung verfügt wurden. Mit ihrer Resolution 50/215 hatte die Versammlung beschlossen, daß diese zusätzlichen Kostensenkungen in Höhe von 154 Millionen Dollar, einschließlich der Senkung um 50 Millionen Dollar, die sich aus der Anhebung des im Haushalt veranschlagten Anteils unbesetzter Stellen ergab, innerhalb des Zweijahreszeitraums zu erreichen seien. Gleichzeitig ersuchte mich die Generalversammlung, bei meinen Sparvorschlägen eine gerechte, ausgewogene und nichtselektIVe Behandlung aller Haushaltskapitel sicherzustellen, und betonte, daß die Programme so wirkungsvoll und effizient wie möglich auszuführen seien und daß dabei alle auftragsgemäßen Tätigkeiten weiter in vollem Umfang durchgeführt werden müßten. Später im Jahr wurde die Organisation außerdem aufgefordert, im Rahmen der bewilligten Mittel etwa 35 Millionen Dollar für im Haushalt nicht veranschlagte neue Mandate aufzubringen. Diese erhöhten Haushaltszwänge haben zusammen mit der ständigen Ungewißheit über die Verfügbarkeit der Mittel die Gesamtbemühungen um eine Managementreform zwangsläufig beeinträchtigt.
91. Ich entschied mich für einen zweistufigen Ansatz, um die verlangten Einsparungen zu erzielen. Zunächst wurden die Programmleiter aufgefordert, ihre Programme und AktIVitäten zu überprüfen und anzugeben, wie die Mitteleinsparungen erreicht werden könnten und welche Auswirkungen sie auf die Programme haben würden. Sodann wurde ein gesonderter, aber komplementärer Prozeß in Gang gesetzt, der eine Reihe von Effizienzüberprüfungen umfaßte, mit dem Ziel, die Leistungskraft und die Effizienz der Tätigkeiten der Organisation zu erhöhen.
92. Die erste Phase dieses Ansatzes erforderte notwendigerweise den Abbau und die Versetzung von Personal. Im Verein mit der Finanzkrise ergaben sich daraus zusätzliche Aufgaben für den Bereich Personalwesen und -management, in dem selbst Personal abgebaut wurde, während er gleichzeitig seine sonstigen auftragsgemäßen Programme und AktIVitäten weiter durchführen mußte. In Zusammenarbeit mit den Programmleitern und im Benehmen mit den Personalvertretern mußte der Bereich neue Verfahren entwickeln oder auf bestehenden aufbauen, um Personal zu versetzen, das freiwillige Ausscheiden aus dem Dienst zu fördern und Fälle unfreiwilligen Ausscheidens möglichst gering zu halten. Ziel war dabei, den geforderten Personalabbau durchzuführen und dabei gleichzeitig die bedeutsame Investition der Organisation in die Personalentwicklung zu bewahren und Mitarbeiter, wenn erforderlich, nach Möglichkeit in Positionen zu versetzen, in denen sie auch weiterhin zur Arbeit des weltweiten Sekretariats beitragen können.
93. Ausgehend von einem Höchststand von 12.205 bewilligten Dienstposten im Programmhaushalt für den Zweijahreszeitraum 1984-1985 ist die Gesamtstellenzahl im Programmhaushalt 1996-1997 auf 10.159 zurückgegangen. Etwa 1.000 Stellen werden aufgrund des Beschlusses der Generalversammlung, den Anteil unbesetzter Stellen in der Organisation zu erhöhen, freigehalten, wodurch sich für die Organisation ein Personalstand von etwa 9.000 Personen ergibt. Bei weiteren Effizienzsteigerungsmaßnahmen dürfte es möglich sein, die tatsächliche Zahl der Bediensteten noch weiter abzusenken.
94. Was die zweite Phase der Bemühungen betrifft, die verlangten Einsparungen zu erzielen, haben die Effizienzprüfungen unter Aufsicht des Effizienz-Beirats, dessen Vorsitz der Untergeneralsekretär für Verwaltung und Management, Joseph Connor, führt, bereits konkrete Möglichkeiten zur Förderung der Effizienz und zur Verbesserung der Leistungskraft der Organisation aufgezeigt: kurzfristige effizienzsteigernde Maßnahmen, welche die Kosten reduzieren, ohne Programme und AktIVitäten zu beeinträchtigen; einen Umstrukturierungsprozeß, der hauptsächlich durch die Vereinfachung von Abläufen die Qualität, Fristgerechtheit und andere Aspekte der Tätigkeiten und Dienstleistungen verbessern soll, sowie die Neugliederung oder Vereinfachung der Organisationsstruktur. Bei all diesen Prüfungen fungiert der von mir im Januar 1994 geschaffene Beirat für Management und Finanzfragen als "strategisches Zentrum", das kostenwirksame Möglichkeiten der Durchführung von Mandaten überprüft, Arbeitsprogramme und technologische Neuerungen rationalisiert und sich mit neuen InitiatIVen bei der Stärkung des Managements, der Rechenschaftspflicht und der Aufsicht befaßt.
95. Die während des vergangenen Jahres durchgeführten effizienzsteigernden Maßnahmen haben zu beträchtlichen Einsparungen geführt. Im ersten Halbjahr 1996 wurde die Reisetätigkeit um 26 Prozent eingeschränkt und der Druck von Dokumenten und Veröffentlichungen um 27 Prozent gesenkt. Bis zum Spätherbst werden mehr als 270.000 Dokumente der Vereinten Nationen in allen Amtssprachen in mindestens 157 Ländern sowie in den meisten Vertretungen in New York in elektronischer Fassung vorliegen. Der konsolidierte Ankauf von Fremdwährungen, mit dem im Juli begonnen wurde, wird zudem Einsparungen von mehr als 1 Million Dollar für den Zweijahreszeitraum bringen. Derzeit befassen wir uns mit den eher technischen Bereichen, in denen die Probleme der Verbesserung des Managements und der Effizienz von spezialisierten Arbeitsgruppen in Angriff genommen werden, die den Auftrag haben, im Rahmen ihres Zuständigkeitsbereichs die notwendigen Anpassungen der Verfahren und Techniken in Kraft zu setzen. Dies geschieht derzeit in vielen Bereichen: Reform des Beschaffungswesens; Möglichkeiten der Auslagerung von Druckaufträgen, der Dokumentation und anderer Konferenzdienste; Leistungsbeurteilung und Personalplanung; Beseitigung von Doppelarbeit und Überschneidungen bei der Programmdurchführung; Einsatz fortgeschrittener Technologien u.a.m.
96. Im Bereich der Humanressourcen, einem zweiten strategischen Managementbereich, wurde besondere Aufmerksamkeit darauf verwandt, die möglichen Auswirkungen des durch die Durchführung der Resolutionen 50/214 und 50/215 der Generalversammlung notwendig gewordenen Personalabbaus abzumildern. Besondere Anstrengungen wurden unternommen, um die bei der Erhöhung des Frauenanteils im Höheren Dienst und auf den oberen und obersten Rangebenen erzielten Fortschritte abzusichern. Die Zahl der Stellen, die der geographischen Verteilung unterliegen, war Ende Juni 1996 gegenüber dem Vorjahr um ein Prozent auf 35,1 Prozent angestiegen. Der Anteil der Frauen in den Rangebenen D-1 und darüber erreichte 17,9 Prozent, d.h. 0,8 Prozent mehr als im Vorjahr. Während desselben Zeitraums entfielen 41,3 Prozent aller Beförderungen auf Frauen.
97. In den Einstiegsstufen und in bestimmten Fachpositionen wird weiter Personal rekrutiert, da ein anerkannter Bedarf an der regelmäßigen Einstellung neuer Mitarbeiter besteht, die eine neue Sicht der Dinge und speziellen Sachverstand einbringen können. Dank gesteigerter Effizienz und des Einsatzes neuer Technologien konnten die Rekrutierungskosten um 30 Prozent gesenkt werden, und der gesamte Rekrutierungsprozeß verkürzt sich von acht auf drei Monate.
98. Ein Schlüsselelement bei der Verbesserung der Führungskultur der Organisation war die Einführung eines Systems der Leistungssteuerung. Ein wichtiges Instrument der Leistungssteuerung ist das neue Leistungsbeurteilungssystem mit dem Schwerpunkt auf der Arbeitsplanung und Festlegung von Prioritäten, Kommunikation und Leistungsüberwachung anhand vereinbarter Ziele und Leistungsindikatoren. Trotz der durch Haushaltszwänge bedingten Verzögerungen haben inzwischen weltweit etwa 10.000 Bedienstete eine Ausbildung in diesem neuen System erhalten.
99. Ebenso entscheidende Bedeutung kommt der Notwendigkeit zu, die Führungs- und Managementkapazität der Organisation zu steigern und die Einstellungsänderungen zu fördern, die für die Stützung der neuen Führungskultur nötig sind. Etwa 300 Führungskräfte der Organisation haben während des vergangenen Jahres an einem Seminar für Mitarbeiterführung teilgenommen, das dazu dienen soll, ihnen ihre Stärken und Schwächen auf diesem Gebiet besser bewußt zu machen. Dieses Programm wird in Kürze auch für das mittlere Management zugänglich sein, so daß bis Ende 1997 etwa 600 weitere Bedienstete davon profitieren werden können. Ein eigenes Symposium für Untergeneralsekretäre und Hauptabteilungsleiter am Amtssitz, an dem auch ich teilgenommen habe, wurde vom 25. bis 27. Juli 1996 abgehalten, wobei der Schwerpunkt darauf lag, ein gemeinsames Verständnis der strategischen Führerschaft beim Management der Organisation zu entwickeln und die abteilungsübergreifende Zusammenarbeit zu verstärken.
100. Im Rahmen dieser Managementprogramme werden auch Fragen im Zusammenhang mit geschlechtsbezogenen und kulturell bedingten Unterschieden behandelt, während gleichzeitig Fortschritte bei Maßnahmen gegen Belästigung, einschließlich sexueller Belästigung, erzielt wurden. Darüber hinaus wird der Verhaltenskodex für den internationalen öffentlichen Dienst überarbeitet, um die grundlegenden Dienstobliegenheiten und Pflichten der Bediensteten und Amtsträger der Vereinten Nationen klarer abzugrenzen und zu umreißen; der Kodex soll anschließend der Generalversammlung vorgelegt werden.
101. Der Bereich des Informationswesens wurde als dritter strategischer Managementbereich in Angriff genommen, um insbesondere sicherzustellen, daß die Führungskräfte über rechtzeitige und bessere Informationen für ihre Tätigkeit verfügen. In dieser Hinsicht erweist sich das Integrierte Führungs-Informationssystem IMIS, das derzeit am Amtssitz und an anderen Dienstorten eingeführt wird, als einende Kraft für die Verwaltung der Organisation, die die Nutzung von Informationen über Finanzen, Humanressourcen und Beschaffungswesen modernisiert und verbessert und die internen Kontrollen und die Rechenschaftspflicht verstärkt.
102. Im vierten strategischen Managementbereich, der Technologie, wird derzeit ein strategischer Technologieplan ausgearbeitet, der eine weltweite Infrastruktur für die Datenverarbeitung, Büroautomation und Telekommunikation bilden soll. Dieser Plan wird durch Standardisierung in jedem dieser drei Bereiche Größenvorteile bewirken und allen Sekretariatsbereichen einen Rahmen für einen koordinierten und konsequenten Ansatz bei der Weiterentwicklung ihrer Anwendungen an die Hand geben, wobei gleichzeitig die für spezielle Tätigkeiten erforderliche Flexibilität gewahrt bleibt. Durch die Sicherstellung der Komplementarität der Datenverarbeitungsanwendungen beispielsweise wird das globale Sekretariat noch stärker integriert und verstärkt werden.
103. Eine wichtige Errungenschaft im Bereich des Technologiemanagements war die Teleübersetzung und -textverarbeitung der gesamten von bestimmten Weltkonferenzen erzeugten Dokumentation in allen Sprachen an den Amtssitzdienstorten. So mußten beim neunten VN-Kongreß über Verbrechensverhütung in Kairo, bei der Vierten Weltfrauenkonferenz in Beijing, bei UNCTAD IX in Midrand (Südafrika) und bei der VN-Konferenz über Wohn- und Siedlungswesen (Habitat II) in Istanbul keine Dokumentare, Übersetzer und Textverarbeitungskräfte an den Konferenzort reisen. Auch beim Seminar der Vereinten Nationen über Hilfe für das palästinensische Volk kam Teleübersetzung zum Einsatz.
104. Ein weiterer wichtiger Bestandteil der neuen Technologiestrategie ist die Einführung des optischen Speicherplattensystems, das den raschen und leichten elektronischen Zugriff auf Dokumente der Vereinten Nationen ermöglicht. Seit Fertigstellung der technischen Umgebung ist die Zahl der Nutzer auf derzeit über 800 gestiegen. Unter der Annahme einer weiteren Beschleunigung des Anschlusses neuer Teilnehmer wird der Zielwert von etwa 1.600 Nutzern mit Sicherheit noch vor Ende 1997 erreicht werden. Alle sowohl in New York als auch in Genf herausgegebenen Dokumente werden in allen Amtssprachen auf dem System gespeichert.
105. Das fünfte Strategieziel und ein Schlüsselaspekt der Organisationsreform bestand darin, durch die Ermittlung strategischer Prioritäten über den Haushaltsprozeß, in dem die Mittel für die Umsetzung dieser Prioritäten zugewiesen werden, und durch eine Stärkung des Leistungsbewertungssystems das Management des Arbeitsprogramms der Organisation zu verbessern. Kürzlich legte ich dem Programm- und Koordinierungsausschuß den Entwurf des mittelfristigen Plans für den Zeitraum 1998-2001 vor. Im Rahmen der neuen formalen Gestaltung des Plans werden klar umrissene Ziele vorgegeben und die völlige Kongruenz zwischen den Programmen und den für ihre Durchführung verantwortlichen Hauptabteilungen betont - die Rechenschaftspflicht wird klar anerkannt. Der neue mittelfristige Plan als solcher wird für die nächsten beiden Programmhaushaltspläne eine solide Grundlage für strategische Haushaltsvorschläge bilden. Derzeit werden weitere Schritte zur Neubelebung und Ausweitung des Leistungsbewertungssystems unternommen, das die Führungskräfte für die Verwirklichung der strategischen Prioritäten in die Verantwortung nehmen wird.
106. Eine weitere wichtige Reformaufgabe, die während des vergangenen Jahres in Angriff genommen wurde, war schließlich die Verbesserung des Managements und der Rechenschaftspflicht im Bereich des Beschaffungswesens. Gemäß den Empfehlungen der Hochrangigen Sachverständigengruppe für das Beschaffungswesen wurde die Beschaffungs- und Transportabteilung zu einem güterbasierten System umstrukturiert, das von einer Organisationseinheit getragen wird, die entsprechend moderner Managementpraxis zentralisierte Unterstützungs- und Leitungsfunktionen wahrnimmt. Durch die neue Struktur wird nicht nur der Sachverstand dort konzentriert, wo er gebraucht wird, nämlich bei den zu beschaffenden Gütern, sondern es werden auch hierarchische Ebenen eingespart und Mitarbeiter für die tatsächlichen Beschaffungsfunktionen freigesetzt. Die Mitglieder der Hochrangigen Sachverständigengruppe arbeiten auch weiterhin direkt mit der Leitung und dem Personal der Abteilung zusammen, um die Reform beschleunigt herbeizuführen. Eine ihrer vorrangigen Aufgaben ist der Entwurf von Grundsätzen und Verfahren für das Beschaffungswesen, die dem Sekretariat zur Prüfung vorgelegt werden sollen. Es wird erwartet, daß diese gegen Ende des Jahres 1996 fertiggestellt sein werden.
Amt für interne Aufsichtsdienste
107. Das Amt für interne Aufsichtsdienste unter der Leitung von Untergeneralsekretär Karl Theodor Paschke legte während der fünfzigsten Tagung der Generalversammlung seinen ersten Jahresbericht vor. Die Debatte über den Bericht, die im Dezember 1995 im Fünften Ausschuß stattfand, bestätigte, daß die Mitgliedstaaten mit den Fortschritten, die das Amt seit seiner Gründung erzielt hat, im großen und ganzen zufrieden waren. Der zweite Jahresbericht über die Tätigkeit des Amtes zwischen dem 1. Juli 1995 und dem 30. Juni 1996 wird während der einundfünfzigsten Tagung der Generalversammlung vorgelegt werden.
108. Durch die Wahrnehmung einer starken und wirksamen internen Aufsichtsfunktion für die Vereinten Nationen ist das Amt nicht nur zu einem Schlüsselbestandteil der Managementeffizienz geworden, sondern hat auch zur Pflege einer wirksamen Führungskultur und eines gesunden Arbeitsklimas in der gesamten Organisation beigetragen. In Anerkennung dessen schlug ich eine Stärkung des Amtes durch höhere Mittelzuweisungen im Programmhaushaltsplan für den Zweijahreszeitraum 1996-1997 vor, mit dessen Billigung das Amt 12 neue Dienstposten erhielt. Während die von der Generalversammlung verlangten Haushaltskürzungen die sofortige Besetzung aller neuen Stellen verhindert haben, bleibt die Stärkung der Sektion Disziplinaruntersuchungen wichtig.
109. In ihrer Resolution 48/218 B, mit der das Amt für interne Aufsichtsdienste eingerichtet wurde, hat mich die Generalversammlung ersucht, einen Bericht über die internen Aufsichtsfunktionen der operatIVen Fonds und Programme der Organisation vorzulegen. Auf meine Bitte hin hat das Amt Informationen zusammengetragen und einen Berichtsentwurf erstellt, der den Leitern jeder Einheit zur Übermittlung an ihre jeweiligen Leitungsorgane übergeben wurde. Der Bericht ist von mehreren dieser Leitungsorgane bereits im Detail diskutiert worden und sollte Ende 1996 fertiggestellt sein.
110. Im Laufe des Jahres habe ich den Untergeneralsekretär für interne Aufsichtsdienste verschiedene Male gebeten, Missionen in Gebiete zu unternehmen, in denen ich es für nützlich erachtete, seine Einschätzung bestimmter Fragen zu hören, und in denen seine persönliche Intervention zur Verwirklichung eines effizienten und effektIVen Managements beitragen würde. Der Untergeneralsekretär hat dem Zentrum für Menschenrechte in Genf, wo im Anschluß an eine 1993 durchgeführte Inspektion eine großangelegte Umstrukturierung eingeleitet wurde, mehrere Besuche abgestattet. Er reiste ferner sowohl vor als auch nach dem Übergang zu der multinationalen Friedensumsetzungstruppe (IFOR) in das ehemalige Jugoslawien, um die Stellung der Vereinten Nationen und die Liquidation der Friedenstruppen der Vereinten Nationen (UNPF) zu beurteilen. Im Dezember 1995 besuchte er das VN-Hilfswerk für Palästinaflüchtlinge im Nahen Osten (UNRWA), um mich bei verschiedenen Managementfragen beraten zu können, darunter auch hinsichtlich der Verlegung des Sitzes des Hilfswerks nach Gaza. Er besuchte außerdem die Handels- und Entwicklungskonferenz der Vereinten Nationen, um Berichten über Betrug nachzugehen.
111. Während des Berichtszeitraums erstellte das Amt für interne Aufsichtsdienste den Programmvollzugsbericht des Generalsekretärs und legte ihn der Frühjahrstagung des Programm- und Koordinierungsausschusses vor. Der Bericht zeugt von der Vielfalt der AktIVitäten, welche die Organisation während des Zweijahreszeitraums 1994-1995 durchgeführt hat. Er enthält Erläuterungen und detaillierte quantitatIVe Angaben über Veränderungen bei der Durchführung des Arbeitsprogramms und beschreibt im einzelnen die jeweilige Rolle der zwischenstaatlichen Organe und des Sekretariats bei der Gestaltung dieser Veränderungen. Eine weitere wichtige Leistung war die Vorlage dreier Berichte des Amtes über den Stand der Umsetzung seiner Empfehlungen an verschiedene Dienststellen der Vereinten Nationen, wodurch ein systematischer Ansatz eingeführt wurde, der einige bescheidene Verbesserungen bei der Durchführung erbracht hat. Ich habe jede betroffene Dienststelle ersucht, eine Anlaufstelle für Aufsichtsfragen einzurichten, die mit dem Amt für interne Aufsichtsdienste hinsichtlich der Umsetzung seiner Empfehlungen Verbindung wahren soll.
Bereich Rechtsangelegenheiten
112. Der Hans Corell unterstehende Bereich Rechtsangelegenheiten erbrachte auch weiterhin rechtliche Beratungs- und Unterstützungsdienste zu Fragen, die sich aus den Beschlüssen und der Tätigkeit der Haupt- und Nebenorgane der Vereinten Nationen ergaben, insbesondere was die Durchführung verschiedener Aspekte der Beschlüsse des Sicherheitsrats betrifft.
113. Während der Berichtsperiode leistete der Bereich Rechtsangelegenheiten der Organisation rechtliche Dienste und Unterstützung in einem breiten Spektrum von Fragen, darunter Nachforschungen und die Erstellung von Gutachten zu Fragen des PrIVatrechts, der Rechtsvergleichung und des Völkerrechts, die sich aus der Tätigkeit der Vereinten Nationen ergaben, ferner Rechtsberatung und rechtliche Dienste zu verschiedenen Aspekten der Friedenssicherungseinsätze, das heißt zu aufgrund solcher Einsätze geltend gemachten Ansprüchen, zu Personal-, Verwaltungs- und verwaltungsrechtlichen Angelegenheiten und schließlich im Bereich der Auftragsvergabe und der Beschaffung. Die Beratungstätigkeit für Organisationen und Nebenorgane der Vereinten Nationen erstreckte sich über ein ähnlich breites Spektrum.
114. Der Bereich Rechtsangelegenheiten war außerdem bei der Auslegung des Mandats von Friedenssicherungseinsätzen der Vereinten Nationen und bei der Ausarbeitung von Abkommen über die Rechtsstellung von Truppen oder Missionen und über die Vorrechte und Immunitäten von Friedenseinsätzen sowie bei der Ausarbeitung von Einsatzrichtlinien behilflich und leistete auf allen diesen Gebieten Beratungsdienste. Vor allem die Auflösung von Einsätzen hat komplexe rechtliche Fragen aufgeworfen, beispielsweise im ehemaligen Jugoslawien und in Ruanda, wo der Bereich Rechtsangelegenheiten jeweils an der Auflösung der Friedenssicherungseinsätze der Vereinten Nationen und der Errichtung einer neuen VN-Präsenz beteiligt war, wobei es in Ruanda, wie bereits erwähnt, bisher noch nicht möglich gewesen ist, das von der Regierung dieses Landes beantragte neue Büro der Vereinten Nationen einzurichten. Der Bereich Rechtsangelegenheiten war außerdem an der Auslegung des Mandats und an der Prüfung neuer Einsatzrichtlinien für die Unterstützungsmission der Vereinten Nationen in Haiti (UNSMIH) beteiligt, die der Sicherheitsrat nach der letztmaligen Verlängerung der Mission der Vereinten Nationen in Haiti (UNMIH) eingerichtet hat.
115. Rechtliche Beratung und Dienstleistungen wurden auch weiterhin für die laufenden Einsätze/Missionen in Angola, Georgien, Guatemala, Haiti, Irak/Kuwait, Libanon, Tadschikistan und Westsahara erbracht. Außerdem war der Bereich Rechtsangelegenheiten mit dem Entwurf und der Aushandlung eines Abkommens zwischen den Vereinten Nationen und der Regierung Kenias über die Vorrechte, Immunitäten und Erleichterungen der friedensichernden, humanitären und ähnlichen Einsätze befaßt, die Kenia als Stützpunkt für ihre AktIVitäten in den Nachbarländern nutzen.
116. Der Bereich Rechtsangelegenheiten war federführend an der ersten Phase der Durchführung der Resolution 986 (1995) des Sicherheitsrats beteiligt, die die Schaffung eines Mechanismus zum Gegenstand hatte, der es Irak gestatten sollte, Erdöl und Erdölprodukte unter Aufsicht der Vereinten Nationen zu verkaufen, um von der irakischen Bevölkerung dringend benötigte humanitäre Hilfsgüter erwerben zu können. Eine Delegation der Vereinten Nationen unter Leitung des Rechtsberaters führte zwischen dem 8. Februar und dem 15. Mai 1996 vier Gesprächsrunden mit der irakischen Seite. Der Bereich Rechtsangelegenheiten wirkte an der Ausarbeitung der Vereinbarung zwischen dem Sekretariat der Vereinten Nationen und der Regierung Iraks mit, die praktische Regelungen für die Durchführung der Resolution enthielt, und übernahm die Koordinierung der Redaktionsarbeiten. Diese Bemühungen führten schließlich zur Unterzeichnung der Vereinbarung am 20. Mai 1996; danach war der Bereich weiter an der Vorbereitungsphase beteiligt, die der vollen Durchführung der Resolution voranging. Insbesondere nahm der Rechtsberater an den Sitzungen des abteilungsübergreifenden Lenkungsausschusses zur Koordinierung der Tätigkeit der verschiedenen beteiligten Dienststellen des Sekretariats teil und erteilte Beratung in relevanten Rechtsfragen. Der Bereich war auch in der Fachdelegation vertreten, die im Juni 1996 nach Irak entsandt wurde, um logistische und andere Regelungen zu überprüfen. Auch den verschiedenen Sanktionsausschüssen und der Entschädigungskommission der Vereinten Nationen wird weiter rechtliche Unterstützung gewährt.
117. In Zusammenarbeit mit der Hauptabteilung Friedenssicherungseinsätze hat der Bereich Rechtsangelegenheiten Richtlinien für die Friedenssicherungstruppen der Vereinten Nationen betreffend die Achtung des humanitären Völkerrechts erarbeitet. Mit dem Erlaß der Richtlinien und ihrer Verbreitung unter den Friedenssicherungstruppen der Vereinten Nationen wird die Organisation ihrer Verpflichtung nach dem gemeinsamen Artikel 1 der Genfer Abkommen nachkommen, die Grundsätze des humanitären Völkerrechts einzuhalten und ihre Einhaltung sicherzustellen. Auf Ersuchen der Generalversammlung hat der Bereich eine Rechtsstudie über die Verfahren zur Regelung von Ansprüchen Dritter im Zusammenhang mit Friedenssicherungseinsätzen der Vereinten Nationen und über Grundsätze betreffend die Haftung der Vereinten Nationen für die Tätigkeit dieser Einsätze und ihres Personals erstellt.
118. Der Bereich Rechtsangelegenheiten hat zu zahlreichen laufenden AktIVitäten im Zusammenhang mit den Internationalen Strafgerichten für das ehemalige Jugoslawien und für Ruanda Beratung erteilt. Er wurde um Rechtsberatung hinsichtlich der Beziehung zwischen diesen Internationalen Gerichten und Drittstaaten beziehungsweise dem Sicherheitsrat ersucht. Im Namen der Anklagebehörde war der Bereich Rechtsangelegenheiten an der Aushandlung eines Abkommens mit der Regierung Bosnien und Herzegowinas über die Einrichtung eines Verbindungsbüros in Sarajewo beteiligt. Ebenfalls in diesem Zusammenhang handelte der Bereich mit Vertretern der Bundesrepublik Jugoslawien einen Briefwechsel über den Status des Verbindungsbüros der Anklagebehörde des Internationalen Gerichts in Belgrad aus. Ferner wurde der Sicherheitsrat in der Frage der von den Richtern ausgehenden Änderungsvorschläge zum jeweiligen Statut der beiden internationalen Gerichte beraten. Der Bereich hat außerdem an der Ausarbeitung des Mandats der Internationalen Untersuchungskommission für Burundi mitgewirkt und hinsichtlich der anwendbaren Rechtsvorschriften Beratung erteilt und Gutachten erstellt.
119. Der Bereich Rechtsangelegenheiten stellt außerdem sicher, daß die Durchführung der Beschlüsse der Generalversammlung über die Teilnahme der Bundesrepublik Jugoslawien (Serbien und Montenegro) und ihren Status im gesamten System der Vereinten Nationen konsequent gehandhabt wird. Diese Frage wirft auch weiterhin heikle rechtliche und politische Fragen auf.
120. Der Bereich schloß den Entwurf einer Reihe von Richtlinien für die Untersuchung angeblicher Massaker durch die Vereinten Nationen ab, um dessen Ausarbeitung der Generalsekretär angesichts des Fehlens allgemein anwendbarer Verfahrensregeln für die Durchführung solcher Untersuchungen durch die Vereinten Nationen ersucht hatte. Die Richtlinien wurden im November 1995 veröffentlicht, und der Bereich Rechtsangelegenheiten sorgte für ihre Verteilung im gesamten System der Vereinten Nationen sowie an andere Organisationen und Institutionen, die auf dem Gebiet der Menschenrechte oder der Ermittlung in Strafsachen tätig sind.
121. Der Bereich Rechtsangelegenheiten war aktIV am Abschluß der Kooperationsabkommen mit der Interparlamentarischen Union und der Internationalen Organisation für Wanderung beteiligt. Er wirkte außerdem an der Aushandlung der Abkommen mit den Gastländern für die Vierte Weltfrauenkonferenz und die VN-Konferenz über Wohn- und Siedlungswesen (Habitat II) und ihre jeweiligen Vorbereitungsprozesse mit und gewährte parlamentarische rechtliche Unterstützung und Beratung. Auch der Ersten Konferenz zur Überprüfung des Übereinkommens über das Verbot oder die Beschränkung des Einsatzes bestimmter konventioneller Waffen, die übermäßige Verletzungen verursachen oder unterschiedslos wirken können, wurde Unterstützung in Rechtsfragen gewährt. Außerdem wirkte der Bereich an der Aushandlung der Abkommen mit der Regierung Deutschlands über den Sitz des Freiwilligenprogramms der Vereinten Nationen in Bonn mit. Die Verhandlungen mit Japan über ein Muster-Rahmenabkommen über Konferenzen der Vereinten Nationen in diesem Land wurden weitergeführt.
122. Der Bereich Rechtsangelegenheiten vertrat den Generalsekretär in Personalsachen vor dem Verwaltungsgericht der Vereinten Nationen und vertrat die Organisation in Gerichts- und Schiedsverfahren. Von besonderem Interesse in dieser Hinsicht ist die Beratung über die Reform der internen Rechtspflege der Organisation, die Ausarbeitung eines Verhaltenskodex für Bedienstete und andere Amtsträger der Vereinten Nationen, der nach Konsultationen mit den Programmleitern und dem Personal der Generalversammlung vorgelegt werden soll, ferner die Beratung einer Sachverständigengruppe für die Reform des Beschaffungswesens, die Ausarbeitung von Standardverträgen für die Anmietung von Luftfahrzeugen, ein umfangreicher Mietvertrag für Räumlichkeiten der Vereinten Nationen und des UNDP in New York sowie die Ausarbeitung von Eigenversicherungsregelungen für die neuen UNICEF-Räumlichkeiten in New York.
123. Eine weitere wichtige Aufgabe des Bereichs Rechtsangelegenheiten besteht in der Erbringung von Sekretariatsdiensten für den Sechsten Ausschuß der Generalversammlung, die Völkerrechtskommission und für Ad-hoc-Rechtsorgane. Die Verabschiedung der VN-Musterregeln für die Schlichtung von Streitigkeiten zwischen Staaten durch die Generalversammlung (Resolution 50/50) stellt eine bedeutende Errungenschaft dar, da diese Regeln eine Reihe von Neuerungen beinhalten und die neuesten Forschungsergebnisse sowie die auf dem Gebiet der internationalen Schlichtung gesammelten Erfahrungen einbeziehen. Die Regeln sind auf Streitigkeiten zwischen Staaten anwendbar, wenn diese Staaten ihrer vollen oder teilweisen Anwendung ausdrücklich zugestimmt haben. Die Generalversammlung hat beschlossen, die Aufmerksamkeit der Staaten auf die Möglichkeit der Anwendung der Musterregeln in allen Fällen zu lenken, in denen eine Streitigkeit zwischen Staaten nicht im Wege direkter Verhandlungen beigelegt werden kann. Der Generalsekretär wurde ersucht, Staaten, die eine Schlichtung auf der Grundlage der Musterregeln anstreben, soweit möglich und im Einklang mit den Bestimmungen der Musterregeln seine Unterstützung zu gewähren.
124. Eine bedeutsame Entwicklung in diesem Zusammenhang war der Beschluß der Generalversammlung zur Einrichtung eines allen Mitgliedern der Vereinten Nationen oder der Sonderorganisationen offenstehenden Vorbereitungsausschusses für die Schaffung eines internationalen Strafgerichtshofs. Das Mandat dieses Vorbereitungsausschusses, der vom Bereich Rechtsangelegenheiten betreut wird, besteht darin, die wichtigsten fachlichen und verwaltungstechnischen Fragen zu erörtern, die sich aus dem vor zwei Jahren von der Völkerrechtskommission erarbeiteten Statutentwurf ergeben, und Texte auszuarbeiten mit dem Ziel, einen weithin annehmbaren konsolidierten Wortlaut eines Übereinkommens über die Schaffung eines internationalen Strafgerichtshofs zusammenzustellen, als nächsten Schritt in Richtung auf die Behandlung durch eine Bevollmächtigtenkonferenz. Der Vorbereitungsausschuß trat im März, April und August 1996 zusammen. Am Ende der Augusttagung wird der Vorbereitungsausschuß der einundfünfzigsten Tagung der Generalversammlung Bericht erstatten.
125. Während des Berichtszeitraums war der Bereich Rechtsangelegenheiten bei der Durchführung der Erklärung von 1994 über Maßnahmen zur Beseitigung des internationalen Terrorismus behilflich, die von der Generalversammlung in ihrer Resolution 50/53 bekräftigt wurde.
126. Der Bereich Rechtsangelegenheiten unterstützt die Völkerrechtskommission bei ihrer Arbeit zur fortschreitenden Entwicklung und Kodifizierung des Völkerrechts. Die Kommission verabschiedete auf ihrer achtundvierzigsten Tagung einen Satz von 20 Artikeln, die den Entwurf eines Kodex der Verbrechen gegen den Frieden und die Sicherheit der Menschheit darstellen, der nun der Generalversammlung zur weiteren Behandlung vorliegt.
127. Der Bereich Rechtsangelegenheiten dient außerdem als Sekretariat der Kommission der Vereinten Nationen für internationales Handelsrecht (UNCITRAL) für die Förderung der schrittweisen Harmonisierung und Vereinheitlichung des internationalen Handelsrechts. Auf ihrer Tagung 1995 stellte die Kommission den Entwurf einer Konvention der Vereinten Nationen über unabhängige Garantien und Stand-by Letters of Credit fertig, deren Zweck es ist, Unsicherheiten beim Gebrauch solcher Urkunden auszuräumen und ihren Mißbrauch zu verhüten. Die Konvention wurde verabschiedet und mit der Resolution 50/48 der Generalversammlung vom 11. Dezember 1995 zur Unterzeichnung aufgelegt.
128. Ein weiterer wichtiger normatIVer Text, den die Kommission auf ihrer Tagung 1996 verabschiedete, ist der Entwurf des UNCITRAL-Mustergesetzes über elektronischen Handel, mit dem bezweckt wird, rechtliche Hindernisse beim Einsatz moderner Technologien in der Kommunikation im Geschäftsleben zu beseitigen. Die Kommission verabschiedete außerdem einen als Hilfsmittel für Schlichter gedachten, nicht normatIVen Text, worin Fragen, in denen zum richtigen Zeitpunkt getroffene Entscheidungen über die Einleitung von Schiedsverfahren nützlich sein könnten, aufgelistet und kurz beschrieben werden.
129. Weitere von der Kommission und ihren Arbeitsgruppen behandelte Angelegenheiten umfassen elektronische Konnossemente, grenzüberschreitende Insolvenzen, Forderungsfinanzierung und Projektdurchführungssysteme nach dem Muster Bau-Betrieb-Übergabe. Der Bereich Rechtsangelegenheiten hat sich einer beträchtlich gesteigerten Nachfrage insbesondere aus den neuen unabhängigen Ländern und den Entwicklungsländern nach Unterstützung bei der Modernisierung ihres Handelsrechts und nach Ausbildung und technischer Hilfe bei den aus der Arbeit der Kommission hervorgegangenen Rechtstexten gegenübergesehen.
130. Der Bereich Rechtsangelegenheiten erbringt ein breites Spektrum an Beratungs- und Unterstützungsleistungen in Fragen des Vertragsrechts und der technischen Aspekte von Verträgen. In Fortführung des von der Generalversammlung erteilten Mandats und im Einklang mit den von den Mitgliedstaaten ausgesprochenen Erwartungen führt der Bereich derzeit ein umfassendes Computerisierungsprogramm durch, um die wirksame Verbreitung von Informationen über völkerrechtliche Verträge aus der Vertragsdatenbank der Vereinten Nationen über weltweite elektronische Schnittstellen zu erleichtern. Die Veröffentlichung Multilateral Treaties Deposited with the Secretary-General (Beim Generalsekretär hinterlegte mehrseitige Verträge) liegt nunmehr in elektronischer Form vor und wird täglich aktualisiert; innerhalb des Netzwerks der Vereinten Nationen besteht die Möglichkeit der Volltextsuche und Abfrage. Zusätzlich ist sie auf dem Internet unter der Adresse http://www.un.org/Depts/Treaty abrufbar und verzeichnet dort mehr als 700 Zugriffe pro Woche. In Papierform wird dieses Dokument auch weiterhin in englischer und französischer Sprache veröffentlicht.
131. Die United Nations Treaty Series (Vertragssammlung der Vereinten Nationen) ist eine wichtige Veröffentlichung, deren Mandat in Artikel 102 der Charta begründet ist. Bislang wurden 1.500 Bände in elektronisches Bildformat konvertiert, auf Bildplatte gespeichert, mechanisch indexiert und können nun auf dem Netzwerk der Vereinten Nationen abgefragt werden. Der United Nations Treaty Series CumulatIVe Index (Kumulierter Index der Vertragssammlung der Vereinten Nationen) sowie die League of Nations Treaty Series (Vertragssammlung des Völkerbundes) werden ebenfalls 1996 in dieses Format konvertiert. An einem Index für die elektronische Volltextsuche wird derzeit gearbeitet. Außerdem werden derzeit Verfahren getestet, die den externen On-line-Zugriff auf die Vertragsdatenbank erlauben und die Erhebung einer Nutzungsgebühr von bestimmten Nutzern ermöglichen. Derzeit wird ein Arbeitsablaufsystem entwickelt, um die Bearbeitungszeit für Verträge zu verkürzen, die beim Sekretariat eingereicht und dort registriert werden, und um den Veröffentlichungsprozeß zu beschleunigen. Das System wird die Veröffentlichung der VN-Vertragssammlung mit Hilfe des Desktop publishing ermöglichen, was sich in erheblichen Personal- und Kosteneinsparungen niederschlagen sollte.
132. Die Weiterentwicklung des Seerechtsübereinkommens der Vereinten Nationen von 1982 und der damit zusammenhängenden Übereinkünfte befindet sich derzeit in einer äußerst wichtigen Phase. Besonders bemerkenswert dabei ist der rasche Anstieg der Zahl der Vertragsstaaten des Übereinkommens (von 68 zum Zeitpunkt seines Inkrafttretens im November 1994 auf über 100 im Juli 1996, darunter eine ganze Reihe von großen Industriestaaten); die Überwindung der letzten Hindernisse bei der Vollendung der Einrichtung der Internationalen Meeresbodenbehörde in Kingston (Jamaika), einschließlich der Wahl ihres sich aus 36 Mitgliedern zusammensetzenden Rates und ihres Generalsekretärs; der Abschluß der ersten Wahlen zum Internationalen Seegerichtshof in Hamburg (Deutschland) am 1. August 1996; das Inkrafttreten des Übereinkommens von 1994 zur Durchführung des Teiles XI des Seerechtsübereinkommens im Juli 1996, die Annahme des Übereinkommens zur Durchführung der Bestimmungen des Seerechtsübereinkommens der Vereinten Nationen vom 10. Dezember 1982 betreffend die Erhaltung und Bewirtschaftung von grenzüberschreitenden und weit wandernden Fischbeständen am 4. August 1995 und schließlich die in fortgeschrittenem Stadium befindlichen Vorbereitungen für die Kommission zur Begrenzung des Festlandsockels.
133. Der Bereich Rechtsangelegenheiten wird der einundfünfzigsten Tagung der Generalversammlung seine Gesamtbewertung der Auswirkungen des Inkrafttretens des Übereinkommens über die grenzüberschreitenden Fischbestände auf bestehende und vorgeschlagene internationale Übereinkünfte und Programme vorlegen.
134. Der Bereich Rechtsangelegenheiten beendete 1996 die Betreuung der Internationalen Meeresbodenbehörde. Während des vergangenen Jahres berief er auch vier Tagungen der Vertragsstaaten zur Behandlung der Einrichtung des Internationalen Seegerichtshofs und der Kommission zur Begrenzung des Festlandsockels ein und betreute diese Tagungen. Für den Zeitraum 1996-1997 wurde ein Haushalt für den Gerichtshof verabschiedet, und die Wahl der Richter fand während der vom 24. Juli bis 2. August in New York abgehaltenen fünften Tagung statt. Die Richter sollen am 18. Oktober 1996 vereidigt werden. Die Wahl der Mitglieder der Kommission wurde auf März 1997 verschoben. Der Bereich Rechtsangelegenheiten trifft derzeit Vorbereitungen für die Betreuung der Kommission und führt zu diesem Zweck eine enge Zusammenarbeit mit der Zwischenstaatlichen ozeanographischen Kommission der UNESCO und der Internationalen Hydrographischen Organisation herbei. Ferner hat er für die Tagung der Vertragsstaaten Empfehlungen zu den Verfahren für Vorlagen an die Kommission erarbeitet, in denen Küstenstaaten für ihre Festlandsockel Grenzen beanspruchen, die über 200 Seemeilen von der Basislinie aus hinausgehen.
Hauptabteilung Presse und Information (DPI)
135. Während des Berichtszeitraums war die von Samir Sanbar geleitete Hauptabteilung Presse und Information bestrebt, bei gleichzeitiger Erhöhung der Effizienz und Begrenzung der Kosten ihre Fähigkeit zu steigern, der Öffentlichkeit genaue Informationen über die Vereinten Nationen zu liefern und bessere Kenntnisse von den Bemühungen der Organisation zu vermitteln.
136. Im vergangenen Jahr war die Hauptabteilung bestrebt, ihre Zusammenarbeit mit anderen Teilen des Systems der Vereinten Nationen auf verschiedene Weise zu verbessern. Sie bemühte sich mit Hilfe des Gemeinsamen Informationsausschusses der Vereinten Nationen um eine engere Koordinierung. Dienststellenübergreifende und interinstitutionelle Arbeitsgruppen, die von ihr zur besseren Bekanntmachung der verschiedenen Konferenzen der Vereinten Nationen eingesetzt worden waren, werden zur Zeit zur festen Einrichtung gemacht. In Zusammenarbeit mit der UNESCO veranstaltete die Hauptabteilung im Januar 1996 in Sanaa (Jemen) ein Regionalseminar, durch das pluralistische und unabhängige Medien in den arabischen Ländern gefördert werden sollen.
137. Im Sekretariat der Vereinten Nationen wurde eine hochrangige, dienststellenübergreifende Arbeitsgruppe für die Öffentlichkeitsarbeit bei Friedenssicherungsmissionen und anderen Feldeinsätzen geschaffen, in der DPI-Vertreter mit Mitgliedern der Hauptabteilungen Politische Angelegenheiten, Friedenssicherungseinsätze und Humanitäre Angelegenheiten zusammenarbeiten. Diese Gruppe hat Leitlinien beschlossen, durch die dafür gesorgt werden soll, daß es bei den von den Vereinten Nationen durchgeführten Einsätzen von Anbeginn an zu einer wirksameren und einheitlicheren Informationsverbreitung kommt. Inzwischen wird auch ein Verzeichnis der Informationsreferenten geführt, die für eine Verwendung bei Feldeinsätzen zur Verfügung stehen.
138. Durch Konsultationen mit leitenden Mitarbeitern von Programmen und Organisationen und deren Informationsreferenten hat die DPI dazu beigetragen, die Presse- und Informationsarbeit auf dem Gebiet der wirtschaftlichen und sozialen Entwicklung zu verbessern. Information und Kommunikation wurden in den Mittelpunkt des Arbeitsprogramms für das erste Jahr der Systemweiten SonderinitiatIVe der Vereinten Nationen für Afrika gestellt. Unter Mitwirkung der Informationszentren traf die DPI die Vorkehrungen für die durch Satelliten übertragene Eröffnung der SonderinitiatIVe im Multimedia-Format am 15. März 1996, die dazu beitrug, daß in den Medien der gesamten Welt der Berichterstattung über die Entwicklungsanstrengungen Afrikas außergewöhnlich viel Platz eingeräumt wurde.
139. Im vergangenen Jahr haben die Vereinten Nationen im Benehmen mit den Gastregierungen weitere Anstrengungen unternommen, um die Aufgaben der Informationszentren der Vereinten Nationen in das jeweilige Büro des residierenden Vertreters/residierenden Koordinators der Vereinten Nationen mit einzugliedern, wodurch beträchtliche Einsparungen erzielt werden konnten. Über 30 der 63 Informationszentren der Vereinten Nationen sind inzwischen unter der Aufsicht des residierenden Vertreters/residierenden Koordinators der Vereinten Nationen tätig, erhalten jedoch weiter Anweisungen von der Hauptabteilung Presse und Information. Von den genannten 30 Zentren sind 15 inzwischen voll eingegliedert.
140. Die Mitwirkung der Hauptabteilung an der Reihe von Weltkonferenzen zu bestimmten Themenkreisen und an der Begehung des fünfzigsten Jahrestags der Vereinten Nationen hat dazu beigetragen, daß die Zusammenarbeit der Vereinten Nationen mit nichtstaatlichen Akteuren, insbesondere nichtstaatlichen Organisationen, dem unIVersitären Bereich und den Medien einerseits, und Bürgergruppen, Jugendlichen sowie führenden Kommunalpolitikern andererseits ausgebaut wurde; zur Durchführung ihrer eigenen Anschlußmaßnahmen an diese Konferenzen machen sich heute mehr Vertreter dieser Gruppen das Informationsangebot der Vereinten Nationen zunutze als je zuvor. Die Hauptabteilung ist bestrebt, diese Partnerschaften zu stärken, indem sie die Wirkung ihrer Verbindungsarbeit zu den nichtstaatlichen Organisationen, ihrer Veröffentlichungen, ihrer elektronischen Medienprodukte, ihres Bibliotheksverbundsystems, der Informationszentren der Vereinten Nationen und der Besucherdienste sorgfältig überwacht.
141. Einen der sichtbarsten Erfolge im Bereich Publikationen hat die Hauptabteilung mit der Reihe der Blauen Bücher zu verzeichnen, die sich in wenig mehr als einem Jahr zu einer wichtigen Präsenz im internationalen Buchhandel entwickelt haben. Bisher wurden 10 Bände hergestellt, die sich mit Fragen wie der Rolle der Vereinten Nationen bei der Förderung der Frau und dem Wirken der Vereinten Nationen im Zusammenhang mit den Krisen in Ruanda, Somalia und Irak/Kuwait befassen. Über 14.000 Exemplare wurden verkauft.
142. Kostensenkungen werden erzielt durch die Einführung von Desktop-publishing-Technologien, durch die intensIVere Nutzung der organisationseigenen Vervielfältigungsanlage und durch die Organisation von Forschungs- und Publikationsprozessen in einer Weise, die es verschiedenen Einheiten ermöglicht, aus der Arbeit anderer Nutzen zu ziehen beziehungsweise technische Einrichtungen oder auch Personal gemeinsam zu nutzen. Die Publikationen erreichen heute ein breiteres Publikum, da sie auf den elektronischen Datennetzen zugänglich gemacht werden. Im Anschluß an meine Entscheidung, der Hauptabteilung Presse und Information die Verantwortung für den Verkauf und die Vermarktung der Veröffentlichungen der Vereinten Nationen zu übertragen, hat die Hauptabteilung die Werbung für die Veröffentlichungen übernommen und ist bestrebt, den Anteil der Verkaufsveröffentlichungen zu vergrößern. Im vergangenen Jahr waren 26 der 32 von der Hauptabteilung herausgegebenen Bücher Verkaufsveröffentlichungen. Die Neuzuordnung der Sektion Verkauf zu der Hauptabteilung wird außerdem dafür sorgen, daß die Sektion ihre Verbindungen zu Hochschulen und Forschungsinstituten, zu Herausgebern und zu den Informationszentren ausbauen kann. Die Zentren in Moskau, Tokio und Athen haben bereits Vereinbarungen geschlossen, aufgrund derer jetzt "populäre" Versionen der Blauen Bücher in Russisch, Japanisch und Griechisch herausgegeben werden. Durch eine umfassendere Koordinierung innerhalb des Sekretariats und darüber hinaus versucht die Hauptabteilung ferner zu erreichen, daß Überschneidungen bei den Publikationen vermieden werden. Ein Erfolg in dieser Hinsicht war der kürzliche Zusammenschluß der von der Hauptabteilung zweiwöchentlich herausgegebenen Zeitung Development Business mit einer konkurrierenden Veröffentlichung der Weltbank.
143. Über die Leitseite der Vereinten Nationen auf dem World Wide Web, die heute mehr als 30.000mal am Tag aufgerufen wird, macht sich die Hauptabteilung in zunehmendem Maße die Möglichkeiten der elektronischen Informationsverbreitung zunutze. Von der Leitseite sind Pressekonferenzen, grundlegende Informationen über die Vereinten Nationen, der volle Wortlaut wichtiger Dokumente und statistisches Material abrufbar, und sie ermöglicht es der Organisation, die Auflagenhöhe und die Verbreitung gedruckter Materialien in Regionen herabzusetzen, die ohne weiteres Zugang zu elektronischen Datennetzen haben. Die Hauptabteilung Presse und Information führt darüber hinaus den Vorsitz in einer dienststellenübergreifenden Gruppe für Internet-Fragen, deren Aufgabe es ist, die Koordinierung zwischen den Hauptabteilungen und Büros zu verbessern.
144. Obwohl sich die Hauptabteilung vermehrt das Internet zunutze macht, stützt sie sich zur Informationsverbreitung weiterhin stark auf Hörfunk und Fernsehen. Ihre Hörfunkprogramme werden von etwa 1.800 Rundfunkanstalten in 160 Ländern verwendet. Das bekannteste unter diesen Programmen ist World in Review. Die Herstellung und der Verkauf von über 1.200 Fernseh-Nachrichtenpaketen an Rundfunkanstalten in der ganzen Welt sind ein Hinweis auf die steigende Nachfrage nach Video- und Fernsehprodukten der Vereinten Nationen.
Büro der Vereinten Nationen in Genf
145. Das Büro der Vereinten Nationen in Genf hat sich unter der Leitung seines Generaldirektors, Vladimir Petrovsky, mit einem breiten Fächer von Fragen auf den Gebieten Menschenrechte, humanitäre Einsätze, Abrüstung und Sicherheitsfragen befaßt und gleichzeitig einen Umstrukturierungsprozeß durchgeführt, der auf eine bessere Aufgabenwahrnehmung, größere Effizienz und die Durchführung der den Programmhaushalt 1996-1997 betreffenden Resolution 50/215 der Generalversammlung ausgerichtet ist. Im Mittelpunkt einer Effizienzprüfung standen drei Hauptgebiete: Rationalisierungsmaßnahmen auf allen mit der Dokumentation zusammenhängenden Gebieten, bessere Nutzung der Informationstechnologie und ein verbessertes Gesamtmanagement.
146. Das Büro hat seine Arbeitsbeziehungen zu den in Europa ansässigen Sonderorganisationen des Systems der Vereinten Nationen weiter ausgebaut. In diesem Zusammenhang hat das Büro verstärkt die Funktion wahrgenommen, einen Austausch zwischen den Mitgliedstaaten, den Vereinten Nationen und diesen Organisationen herbeizuführen. Dies hat dazu geführt, daß mehr hochrangige staatliche Amtsträger, so auch die Staats- beziehungsweise Regierungschefs von Frankreich, Italien, Kasachstan, Lettland, Namibia, Südafrika, der Ukraine und Zypern dem Büro Besuche abgestattet haben.
147. Die Zusammenarbeit mit europäischen Regional- und Subregionalorganisationen wurde intensIViert. Die trilateralen Beratungstreffen zwischen dem Europarat, der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) und Programmen der Vereinten Nationen mit Sitz in Genf erfuhren durch die Beteiligung des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz (IKRK) und der Internationalen Organisation für Migration (IOM) eine Erweiterung. Auf praktischer Ebene wurden Kooperationsanstrengungen eingeleitet, insbesondere auf dem Gebiet der gemeinsamen Informationsnutzung durch den Einsatz moderner Technologie. Außerdem hat das Büro der Vereinten Nationen in Genf in stärkerem Maße an den Minister- und Fachtagungen der genannten Organisationen teilgenommen.
148. Die AktIVitäten des VN-Büros in Genf auf dem Gebiet des Wiederaufbaus in der Konfliktfolgezeit und der Kriegsfolgenbeseitigung fanden ihren Niederschlag in dem Projekt "Vom Krieg zerrissene Gesellschaften", mit dem unter der Ägide des Forschungsinstituts der Vereinten Nationen für soziale Entwicklung (UNRISD) versucht wird, mittels innovatIVer und integrierter Politikmaßnahmen auf die komplexen Interaktionen zwischen Friedenssicherung, Nothilfe, Kriegsfolgenbeseitigung und EntwicklungsaktIVitäten einzugehen. Das Büro nahm auch an wichtigen Begegnungen auf dem Gebiet der Wirtschaft teil, so etwa an dem Weltwirtschaftsforum in Davos (Schweiz).
149. In seiner Rolle als "Vermittler" zwischen den Umbruchländern in Europa und der Gemeinschaft Unabhängiger Staaten (GUS) leitete das Büro der Vereinten Nationen in Genf mit Unterstützung der Wirtschaftskommission für Europa und des Entwicklungsprogramms der Vereinten Nationen (UNDP) ein Kooperationsprojekt ein, in dessen Rahmen eine allgemein zugängliche Zusammenstellung aller von den Vereinten Nationen in diesen Ländern zur Zeit durchgeführten AktIVitäten erarbeitet werden soll. Außerdem organisierte das Büro auf dem Gebiet der Abrüstung ein Medienseminar über die Tätigkeit der Abrüstungskonferenz, den Verhandlungsprozeß betreffend den Vertrag über ein umfassendes Versuchsverbot und die Konferenz zur Überprüfung des Übereinkommens über konventionelle Waffen.
150. Von September 1995 bis Juni 1996 wurden von der Abteilung Konferenzdienste 6.515 Sitzungen (darunter 279 außerhalb von Genf) betreut (2.505 mit und 4.010 ohne Dolmetschdienste). Dies entspricht einer zweiprozentigen Steigerung gegenüber dem Vorjahreszeitraum, in dem 6.376 Sitzungen (darunter 563 außerhalb von Genf) betreut wurden (2.529 mit und 3.847 ohne Dolmetschdienste). Die verstärkte Zusammenarbeit zwischen dem Amtssitz der Vereinten Nationen, dem Büro der Vereinten Nationen in Genf und dem Büro der Vereinten Nationen in Wien führte dazu, daß die zur Verfügung stehenden Ressourcen von diesen drei großen Konferenzzentren besser genutzt wurden. Das Büro ist außerdem dabei, festzustellen, wie es die Erbringung von Dienstleistungen durch eine verstärkte Nutzung neuer Technologien verbessern kann. Die Abteilung Konferenzdienste ist zum Beispiel inzwischen an das Internet angeschlossen, was bedeutet, daß Dateien an andere Dienststellen und Konferenzzentren übermittelt und Datenbanken, wie etwa Terminologie-Glossare, aufgerufen werden können. Die Abteilung macht ihre Daten auf der Internet-Leitseite des Büros zugänglich.
151. Das Genfer Büro betreute nicht nur die überlicherweise dort tagenden Organe, sondern richtete darüber hinaus auch eine Reihe wichtiger Tagungen zu politischen oder die Friedenssicherung betreffenden Themen aus, so etwa Tagungen der Internationalen Konferenz über das ehemalige Jugoslawien, der Entschädigungskommission der Vereinten Nationen, der Konferenzen zur Überprüfung der Verträge über biologische und konventionelle Waffen und des Rahmenübereinkommens der Vereinten Nationen über Klimaänderungen. Außerdem wurden im Anschluß an den auf der Weltkonferenz über Menschenrechte 1993 beschlossenen Aktionsplan auch weiterhin neue Arbeitsgruppen gebildet, die ihre Tagungen in Genf abhielten.
152. In Zusammenarbeit mit der Dag-Hammarskjöld-Bibliothek am Amtssitz der Vereinten Nationen speist die Bibliothek in Genf laufend Daten in das Bibliographische Informationssystem der Vereinten Nationen (UNBIS) ein und unterhält ihr eigenes integriertes Managementsystem (URICA). Außerdem bietet sie Zugang zu einer Reihe externer Datenbanken, und hat im Laufe der letzten Jahre eine CD-ROM-Sammlung angelegt. Die Bibliothek installierte vor kurzem einen Server, um über das Netzwerk (FDDI) im Palais des Nations den Zugriff zu rund 40 dieser CD-ROMs zu ermöglichen. Innerhalb des Büros selbst werden ebenfalls CD-ROMs hergestellt.
153. Zum Gedenken an die Auflösung des Völkerbunds und die Übertragung der Vermögenswerte des Völkerbunds am 18. April 1946 stellte die Bibliothek eine Reihe von elektronischen Medienprodukten her, unter anderem ein Audio-Büchlein auf CD. In Zusammenarbeit mit dem Architektur-Institut der UnIVersität Genf wurden außerdem mehrere Ausstellungen veranstaltet.
Büro der Vereinten Nationen in Wien
154. Das Generaldirektor Giorgio Giacomelli unterstehende Büro der Vereinten Nationen in Wien ist die Zentrale für die AktIVitäten der Vereinten Nationen auf den Gebieten der internationalen Bekämpfung des Drogenmißbrauchs, der Verbrechensverhütung und Strafrechtspflege, der friedlichen Nutzung des Weltraums und des internationalen Handelsrechts. Ferner ist das Büro ein wichtiger Tagungsort und ein Unterstützungszentrum für Friedenssicherungseinsätze.
155. Angesichts der immer deutlicher hervortretenden Bedrohung, die die Kriminalität für die einzelstaatliche Souveränität, Stabilität, Demokratie und Entwicklung darstellt, und wie von der Generalversammlung in den Resolutionen 50/146 und 50/214 vermerkt, wurde der Unterabteilung Verbrechensverhütung und Strafrechtspflege des Büros der Vereinten Nationen in Wien der Rang einer Abteilung verliehen, um sie zu befähigen, sich besser für Strategien zur Bekämpfung der Kriminalität einzusetzen und die internationale Zusammenarbeit auf diesem Gebiet zu verbessern.
156. Während des Berichtszeitraums wurden seitens der beschlußfassenden Organe immer höhere Anforderungen an das Programm für Verbrechensverhütung und Strafrechtspflege gestellt. Dies läßt sich beispielsweise daran ablesen, daß das Arbeitsprogramm, das dem Programm von den beschlußfassenden Organen der Vereinten Nationen, insbesondere auch der Kommission für Verbrechensverhütung und Strafrechtspflege, übertragen wurde, in den letzten Jahren mehr als doppelten Umfang angenommen hat, sowie an dem Bedarf, dem das Programm gerecht zu werden sucht.
157. Im November 1995 koordinierte die Abteilung für den lateinamerikanisch-karibischen Raum in Buenos Aires ein Minister-Seminar über grenzüberschreitende organisierte Kriminalität, bei dem mögliche Projekte der technischen Kooperation festgelegt werden sollten, die dazu beitragen würden, die Umsetzung der Ergebnisse der 1994 in Neapel abgehaltenen Welt-Ministerkonferenz über grenzüberschreitende organisierte Kriminalität zu erleichtern. Aus dem Seminar gingen zwei Projekte hervor; das eine stellt auf die Anpassung verwaltungstechnischer und rechtlicher Handhaben zur Verhütung und Bekämpfung der organisierten grenzüberschreitenden Kriminalität, das andere auf die Förderung einer guten Staatsführung durch die Bekämpfung der Korruption ab. Die Minister einigten sich außerdem auf einige Grundelemente, die Bestandteil einer neuen internationalen Konvention zur Bekämpfung der organisierten grenzüberschreitenden Kriminalität werden sollen.
158. In Befolgung der Resolution 9 des Neunten Kongresses der Vereinten Nationen über Verbrechensverhütung und die Behandlung Straffälliger (Kairo, 29. April bis 8. Mai 1995) über eine den Schußwaffengebrauch betreffende Regelung zum Zweck der Verbrechensverhütung und Aufrechterhaltung der öffentlichen Sicherheit und Abschnitt IV. A der Resolution 1995/27 des Wirtschafts- und Sozialrats leitete die Abteilung im vergangenen Jahr die Internationale Studie der Vereinten Nationen über Rechtsvorschriften betreffend Schußwaffen ein. Es wird damit gerechnet, daß der sechsten Tagung der Kommission für Verbrechensverhütung und Strafrechtspflege, dem für die Vorgabe für Richtlinien auf diesem Gebiet verantwortlichen Organ, 1997 aufgrund der Studie Informationen zur Verfügung gestellt werden können, die es gestatten, Empfehlungen und Leitlinien zu erarbeiten, durch die das Ausmaß der mit Kleinwaffen einhergehenden Gewalt, der jährlich Hunderttausende von Menschen zum Opfer fallen, eingedämmt werden kann.
159. Während der fünften Kommissionstagung wurden auf verschiedenen Gebieten Fortschritte erzielt. Als Anschlußmaßnahme an die Erklärungen, die die Staats- und Regierungschefs während der Sondergedenksitzung der Generalversammlung abgegeben hatten, empfahl die Kommission der Versammlung die Verabschiedung einer Erklärung der Vereinten Nationen über Kriminalität und öffentliche Sicherheit. Sie empfahl außerdem die Verabschiedung einer Resolution über Maßnahmen zur Bekämpfung der Korruption, mit dem Wortlaut eines Verhaltenskodex für öffentliche Amtsträger, sowie von weiteren Resolutionen, unter anderem über die Beseitigung der Gewalt gegen Frauen, die Anwendung von Garantien zum Schutz der Rechte von Personen, denen die Todesstrafe droht, die Umsetzung der Politischen Erklärung und des Weltaktionsplans von Neapel gegen die grenzüberschreitende organisierte Kriminalität, die Rolle des Strafrechts im Umweltschutz und Maßnahmen zur Verhütung des unerlaubten Kinderhandels.
160. Seit dem Siebenten Kongreß der Vereinten Nationen über Verbrechens
88. Während de im Jahr 1985 ist die Frage der Rechte von Verbrechensopfern und Opfern von Machtmißbrauch im internationalen Umfeld immer stärker in den Vordergrund getreten. Auf einer Sachverständigentagung zu dieser Frage im Dezember 1995 wurde eine Strategie zur Erarbeitung eines Handbuchs für die Anwendung der Grundprinzipien der rechtmäßigen Behandlung von Verbrechensopfern und Opfern von Machtmißbrauch entwickelt; außerdem wurden die Grundsätze zur Wahrung der Rechte und Interessen der Opfer in Verfahren des geplanten internationalen Strafgerichts angenommen. Auf der Tagung wurden ferner mehrere technische Kooperationsprojekte zu diesen Themen erarbeitet.
161. Die Abteilung Verbrechensverhütung und Strafrechtspflege baute während des Berichtszeitraums ihre Beratenden Dienste, die inzwischen auch Ausbildungskurse, Seminare und Fachtagungen zu so unterschiedlichen Themen wie Ausbildung der Zivilpolizei, Verbesserung des Strafverfolgungssystems, Förderung der Menschenrechte in der Strafrechtspflege, Jugendgerichtsbarkeit, Behandlung von Straffälligen, Reform des Strafvollzugsystems und Verwaltung der Strafrechtspflege umfassen. Mit sieben Teilnehmern aus Entwicklungsländern begann die Abteilung außerdem ihr erstes Stipendiatenprogramm.
162. Zu den weiteren AktIVitäten der Abteilung gehörten: die Verteilung der fünften Fortschreibung der Erhebung der Vereinten Nationen über Kriminalitätstendenzen und die Arbeitsweise von Strafrechtspflegesystemen, die Veröffentlichung mehrerer Ausgaben der International Review of Criminal Policy (Internationale Zeitschrift für Kriminalpolitik), des Crime Prevention and Criminal Justice Newsletter (Informationsblatt zum Thema Verbrechensverhütung und Strafrechtspflege), und des Trends Letter (Informationsblatt über die derzeitigen Tendenzen in der Verbrechensverhütung und Strafrechtspflege) sowie der Ausbau verschiedener elektronischer Dateien, die über das Informationsnetz der Vereinten Nationen für Kriminalität und Rechtspflege zugänglich sind. Neu auf diesem Netz sind alle Dokumente der fünften Kommissionstagung in Englisch, Französisch und Spanisch sowie eine Datenbank über Auslieferung, Rechtshilfe und die Überstellung ausländischer Gefangener.
163. Im Berichtszeitraum wurde seitens der Mitgliedstaaten eine wachsende Nachfrage nach Zugang zu Weltraumtechnologien, die in einzelstaatlichen Programmen für die wirtschaftliche und soziale Entwicklung und den Umweltschutz angewandt werden können, an das Büro für Weltraumfragen herangetragen. Ferner gingen dem Büro vermehrt Bitten um Unterstützung auf verschiedenen Gebieten zu, insbesondere um Unterstützung bei der Organisation von Workshops für Entscheidungsträger und Ausbildungskursen für Sachverständige, sowie um die Bereitstellung von Fachberatungsdiensten, insbesondere für den Einsatz von Nachrichtensatelliten und die Nutzung von Erdbeobachtungsdaten.
164. Im Rahmen des Programms der Vereinten Nationen für angewandte Weltraumtechnik veranstaltete das Büro Workshops, Ausbildungskurse und Symposien über verschiedene Aspekte der Weltraumwissenschaft und -technik sowie ihrer Anwendungen für die wirtschaftliche und soziale Entwicklung. Das Büro stellte auch Fachberatungsdienste zum Aufbau eigener Weltraumkapazitäten in den Entwicklungsländern zur Verfügung, insbesondere Hilfe bei der Erarbeitung und Durchführung von Pilotprojekten zur angewandten Weltraumtechnik. Darüber hinaus betreute das Büro auch weiterhin den von der Generalversammlung eingesetzten Ausschuß für die friedliche Nutzung des Weltraums, seinen Unterausschuß Wissenschaft und Technik und seinen Unterausschuß Recht sowie deren Nebenorgane. Durch die endgültige Formulierung des Wortlauts einer Erklärung von Grundsätzen für die gemeinsame Teilhabe an den Vorteilen der Weltraumtechnik auf seiner neununddreißigsten Tagung konnte der Ausschuß maßgebliche Fortschritte erzielen.
165. Bei der Einrichtung regionaler Bildungszentren für Weltraumwissenschaft und -technik in den Entwicklungsländern, und zwar in allen von den Regionalkommissionen betreuten Regionen, wurden beträchtliche Fortschritte erzielt. Die Zentren werden Bildungs- und Ausbildungsveranstaltungen in weltraumwissenschaftlichen Disziplinen und Anwendungsmöglichkeiten anbieten. Im November 1995 wurde in Indien das Zentrum für Asien und den Pazifik eingeweiht; die erste neunmonatige Veranstaltung, an der 26 Studenten teilnehmen, lief im April 1996 an. Das Zentrum für Lateinamerika und die Karibik, dessen Gastländer Brasilien beziehungsweise Mexiko sein werden, wird seine Tätigkeit voraussichtlich in diesem Jahr aufnehmen. Was die afrikanische Region angeht, sollen Marokko und Nigeria als Gastländer der Zentren für die französischsprachigen beziehungsweise englischsprachigen afrikanischen Länder fungieren.
166. Aus früheren Workshops des Programms für angewandte Weltraumtechnik hervorgegangene Empfehlungen haben konkrete Fortschritte in der regionalen Zusammenarbeit bewirkt. Der erste Workshop der Vereinten Nationen über weltraumwissenschaftliche Grundlagenforschung, der 1991 in Indien stattfand, führte zur Schaffung eines staatlichen astronomischen Observatoriums in Sri Lanka, das im Januar 1996 eingeweiht wurde und das über ein Forschungs-Spiegelteleskop verfügt, das von dem Büro mit Hilfe der Cultural Grant Aid of Japan beschafft werden konnte. Andere Workshops über weltraumwissenschaftliche Grundlagenforschung hatten zur Folge, daß Afrikas größtes Teleskop im Kottamia-Observatorium in Ägypten überholt und in Honduras eine Sternwarte errichtet werden konnte.
167. Im Rahmen des Weltraum-Informationsdienstes baute das Büro 1995 seine Computerdatenbank und seine Leitseite auf dem Internet weiter aus, welche aktualisierte Informationen über die Arbeit des Büros und die weltraumbezogenen AktIVitäten der Vereinten Nationen sowie von den Mitgliedstaaten unterbreitete Informationen über ihre eigenen WeltraumaktIVitäten enthält. Aufgrund einer Vereinbarung, die auf der im Februar 1996 abgehaltenen siebzehnten Tagung der Interinstitutionellen Konferenz über WeltraumaktIVitäten geschlossen wurde, leitete das Büro Maßnahmen ein, um die Rolle einer zentralen Koordinierungsstelle für die erweiterte Nutzung des Internet als Mittel zur Stärkung der interinstitutionellen Koordinierung zu übernehmen und sicherzustellen, daß Informationen über die Arbeit der Organisationen der Vereinten Nationen auf dem Internet verfügbar sind.
168. Im Rahmen seiner Sitzungsdienste erarbeitete das Büro auch weiterhin Pläne, um die in zwischenstaatlichen Ausschüssen stattfindenden Vorbereitungsarbeiten für die Einberufung einer Sondertagung des Ausschusses für die friedliche Nutzung des Weltraums (UNISPACE-III) zu unterstützen. Diese Tagung soll allen Mitgliedstaaten der Vereinten Nationen offenstehen und 1999 stattfinden, es sei denn, es wird vereinbart, sie erst im Jahre 2000 abzuhalten.
169. Die Abteilung Verwaltungs- und Gemeinsame Dienste des Büros der Vereinten Nationen in Wien schließlich leistete den in Wien ansässigen Stellen und Programmen der Vereinten Nationen sowie dem Interregionalen Forschungsinstitut der Vereinten Nationen für Kriminalität und Rechtspflege (UNICRI) in Rom Verwaltungs- und gemeinsame Unterstützungsdienste. Ferner leistete die Abteilung Unterstützungsdienste für Friedenssicherungseinsätze, stellte für Tagungen der Vereinten Nationen/der Organisation der Vereinten Nationen für industrielle Entwicklung und andere Tagungen des Systems der Vereinten Nationen eine einheitliche Konferenzbetreuung bereit und zeichnete für einen Teil der gemeinsamen Dienste für das Internationale Zentrum Wien verantwortlich. Vom 1. August 1995 bis zum 1. Juli 1996 wurden in Wien insgesamt 2.400 Sitzungen geplant und betreut, was einem etwa neunprozentigen Anstieg der Zahl der Sitzungen gegenüber dem Vorjahr entspricht. Nachdem 1995 Teleübersetzungen eingeführt worden waren, wurden Maßnahmen ergriffen, um diese Praxis, durch die beträchtliche Kosteneinsparungen erzielt werden konnten, zur Norm zu machen.
Büro der Vereinten Nationen in Nairobi
170. Am 1. Januar 1996 wurde das Büro der Vereinten Nationen in Nairobi geschaffen, in dem nunmehr alle Unterstützungsfunktionen, die bis dahin vom Umweltprogramm der Vereinten Nationen (UNEP), dem Zentrum der Vereinten Nationen für Wohn- und Siedlungswesen (Habitat) und der Abteilung Gemeinsame Dienste gesondert wahrgenommen worden waren, zusammengefaßt sind und das in sich die Ressourcen vereint, die für Verwaltungsangelegenheiten eingesetzt worden waren. Aufgabe des Büros ist es, dem UNEP und dem Habitat einen Fächer von Verwaltungsdiensten, so auch auf den Gebieten Personalmanagement, Finanzwesen, Konferenzdienste und elektronische Dienste, und von Unterstützungsdiensten zu leisten, etwa in den Bereichen Auftragsvergabe, Beschaffung, Reisen, Gebäudeverwaltung, Sicherheitsdienste, Registratur und Post.
171. Die Einrichtung des Büros der Vereinten Nationen in Nairobi räumte nicht nur Überschneidungen bei den Dienstleistungen aus, sondern bot auch Gelegenheit, eine beträchtliche Kostendegression zu erzielen. Das Büro untersteht der ExekutIVdirektorin des UNEP in ihrer Eigenschaft als hochrangigste Amtsträgerin in Nairobi.
Verwaltungsausschuß für Koordinierung
172. Nach der Einleitung der Systemumweiten SonderinitiatIVe der Vereinten Nationen für Afrika am 15. März 1996, die nachstehend im Kontext der operatIVen EntwicklungsaktIVitäten noch in größerem Detail beschrieben wird, befaßte sich der Verwaltungsausschuß für Koordinierung gezielt mit Vorkehrungen für eine wirksame und rasche Durchführung der SonderinitiatIVe. Alle Leiter der Organe und Organisationen der Vereinten Nationen bekundeten wieder ihre volle Unterstützung für die InitiatIVe, die Bestandteil einer erneuten Verpflichtung des Systems der Vereinten Nationen ist, die wirksame Durchführung der Neuen Agenda der Vereinten Nationen für die Entwicklung Afrikas in den neunziger Jahren zu fördern, und einen Teil des Beitrags des Systems der Vereinten Nationen dazu bildet, die im Aktionsplan von Kairo von 1995 und in anderen Regionalplänen enthaltenen Entwicklungsprioritäten der afrikanischen Regierungen zu verwirklichen.
173. Der Ausschuß nahm mit Genugtuung davon Kenntnis, daß viele Leitungsgremien der Organisationen bereits mit der SonderinitiatIVe befaßt waren. Er zog eine Bilanz der Schritte, die innerhalb der Organisationen wie auch auf Länder- und Regionalebene zur Durchführung der InitiatIVe unternommen werden. Der Ausschuß bekundete seine Genugtuung über die Fortschritte, die die Organisationen, denen die Rolle der "federführenden Organisationen" übertragen worden war, in enger Abstimmung mit den afrikanischen Regierungen und in Zusammenarbeit mit anderen in Betracht kommenden Organisationen bei der Ausarbeitung von Durchführungsstrategien für die verschiedenen Teile der InitiatIVe erzielten. Dabei wurde betont, wie wichtig die Förderung eines wirtschaftlichen Umfelds ist, das die Mobilisierung von Inlands- und Auslandsinvestitionen begünstigt, und welche Bedeutung dem Aufbau von Kapazitäten zur Politikgestaltung und der Ankurbelung von Produktionstätigkeiten zukommt. Darüber hinaus wurden auch mehrere sektorübergreifende Schlüsselthemen, die in allen Teilen der InitiatIVe zum Tragen kommen, beispielsweise die durchgängige Berücksichtigung einer geschlechtsbezogenen PerspektIVe, besonders hervorgehoben.
174. Die Mitglieder des Verwaltungsausschusses für Koordinierung waren sich darin einig, daß der Wirkungsgrad der SonderinitiatIVe in erster Linie von der EffektIVität gemeinsamer Maßnahmen auf Länderebene abhängen würde, und verpflichteten sich, die in der Region tätigen residierenden Koordinatoren bei der Wahrnehmung der Schlüsselrolle, die ihnen in dieser Hinsicht zukommt, uneingeschränkt zu unterstützen. Der Verwaltungsausschuß für Koordinierung ist zur Zeit dabei, aktIV zu untersuchen, wie Partnerschaften zwischen den Organisationen des Systems der Vereinten Nationen, der Zivilgesellschaft und der Gebergemeinschaft weiter gestärkt werden können. Der Ausschuß wies nachdrücklich darauf hin, daß es notwendig sei, bei der Durchführung der InitiatIVe der außergewöhnlichen Lage von Ländern, die von Konflikten und anderen Notsituationen betroffen sind, und der Überwindung der Lücke zwischen Hilfsmaßnahmen und Maßnahmen zur Befriedigung langfristiger Entwicklungsbedürfnisse in solchen Situationen besondere Aufmerksamkeit zu widmen. Ferner war sich der Ausschuß dessen bewußt, daß sowohl vorhandene Haushaltsmittel umgeschichtet als auch neue Ressourcen zugewiesen werden müßten, um die im Rahmen der InitiatIVe durchzuführenden Programme zu finanzieren; eine gemeinsame Erstellung der Programme der InitiatIVe dürfte zu einer besseren Nutzung der vorhandenen Mittel führen, was wiederum die Mobilisierung zusätzlicher Finanzmittel erleichtern sollte. Schließlich anerkannte der Ausschuß die Notwendigkeit, eine sorgfältige Überwachung und Bewertung der auf nationaler, regionaler und weltweiter Ebene erzielten Fortschritte vorzunehmen und wirksame Leistungsindikatoren zu erarbeiten. Der Ausschuß beschloß, die Fortschritte bei der Durchführung der InitiatIVe bei seinen künftigen Tagungen weiter zu verfolgen.
175. In demselben allgemeinen Zusammenhang begrüßte der Verwaltungsausschuß für Koordinierung die gemeinsam von der Weltbank und dem Internationalen Währungsfonds ergriffene InitiatIVe für einen "Aktionsrahmen", mit dessen Hilfe die Schuldenprobleme der hochverschuldeten Länder gelöst und die Gesamtverschuldung der betroffenen Länder einer einzelfallorientierten Bearbeitung unterzogen werden soll. Der Ausschuß unterstrich, daß es entscheidend zur Verbesserung der Entwicklungsaussichten der afrikanischen Länder beitragen würde, wenn deren Schuldenprobleme gelöst würden.
176. Auf der letzten Tagung des Verwaltungsausschusses für Koordinierung galt den Vorkehrungen für eine koordinierte Unterstützung einzelstaatlicher Anschlußmaßnahmen besondere Aufmerksamkeit. Drei Arbeitsgruppen sind zur Zeit mit dieser Arbeit befaßt; sie widmen sich vorrangigen Themen, die für alle von den Konferenzen verabschiedeten Aktionspläne relevant sind. Alle drei Arbeitsgruppen wurden als Einrichtungen auf Zeit konzipiert. Eine Arbeitsgruppe befaßt sich mit der Frage eines förderlichen Umfelds für die soziale und wirtschaftliche Entwicklung, wobei die Weltbank als federführende Stelle fungiert. Die zweite Arbeitsgruppe behandelt unter der Federführung der Internationalen Arbeitsorganisation Fragen der Beschäftigung und der bestandfähigen Existenzsicherung. Die dritte Arbeitsgruppe befaßt sich mit grundlegenden sozialen Diensten, wobei der Bevölkerungsfonds der Vereinten Nationen als federführende Organisation tätig ist. Letztere Gruppe ist ein Ableger der interinstitutionellen Arbeitsgruppe, die ursprünglich eingesetzt worden war, um die unmittelbaren Anschlußmaßnahmen des Systems der Vereinten Nationen an die Internationale Konferenz über Bevölkerung und Entwicklung zu koordinieren.
177. Der Tätigkeit aller dieser Mechanismen gemeinsam ist das grundlegende Ziel, im Einklang mit den auf diesen Konferenzen, insbesondere dem Weltgipfel für soziale Entwicklung, festgelegten Zielen und Verpflichtungen Fortschritte bei der Beseitigung der Armut zu fördern. Zentrale Politikziele wie die Förderung der Menschenrechte und die Förderung der Frau, die im Mittelpunkt zweier kürzlich abgehaltener Weltkonferenzen standen, werden von jeder der Arbeitsgruppen im Kontext des ihr jeweils zugewiesenen Themas weiterverfolgt. Die Ergebnisse der Konferenz der Vereinten Nationen über Wohn- und Siedlungswesen (Habitat II) werden in ähnlicher Weise in die Tätigkeit dieser Arbeitsgruppen einbezogen werden.
178. Der Verwaltungsausschuß für Koordinierung beschloß außerdem, einen Interinstitutionellen Ausschuß für die Frau einzusetzen, dessen Aufgabe es ist, sich in einer umfassenden, das gesamte System einbindenden Weise mit allen Aspekten der auf der Vierten Weltfrauenkonferenz verabschiedeten Aktionsplattform sowie den geschlechtsbezogenen Empfehlungen zu befassen, die aus anderen in letzter Zeit abgehaltenen internationalen Konferenzen hervorgegangen sind und in den Tätigkeitsbereich des VN-Systems fallen.
179. Ein weiteres wichtiges sektorübergreifendes Thema, das vom Ausschuß aufgezeigt wurde, ist der allgemeine Zugang zu grundlegenden Kommunikations- und Informationsdiensten; ein neues interinstitutionelles Projekt befaßt sich inzwischen mit diesem Thema, wobei die Internationale Fernmeldeunion als federführende Stelle fungiert.
180. Auf seiner letzten Tagung fuhr der Verwaltungsausschuß für Koordinierung außerdem damit fort, Bilanz aus den Erfahrungen zu ziehen, die bei der 1993 begonnenen Rationalisierung und Umstrukturierung des Ausschußapparats gesammelt worden sind. Die Ausschußmitglieder erkannten allgemein an, daß die Arbeitsweise des Ausschusses und die Wirksamkeit seiner Nebenorgane durch die Umstrukturierung erheblich verbessert worden sei. Weitere Verbesserungen sollen vorgenommen werden, mit dem Ziel, auf allen Ebenen dauerhaft fortzuschreibende, konkrete, greifbare Ergebnisse zu erzielen, was eine wirksamere Koordinierung der Politiken und Programme und die Entwicklung gemeinsamer InitiatIVen auf Schlüsselgebieten von systemweitem Interesse anbelangt. Einige zur Zeit durchgeführte InitiatIVen dieser Art werden nachstehend in dem Abschnitt über operatIVe EntwicklungsaktIVitäten beschrieben.
181. Der Ausschuß unternimmt zur Zeit weitere Schritte, um besser in der Lage zu sein, gemeinsame Bewertungen der Leiter der Organisationen zu folgenden Themen zu fördern: das Umfeld, in dem internationale Zusammenarbeit und Entwicklung stattfinden; Entwicklungen in den zwischenstaatlichen Organen und die von den Organisationen daraufhin gemeinsam zu ergreifenden Maßnahmen; die Erwartungen, die die Regierungen der Mitgliedstaaten und die Öffentlichkeit in bezug auf eine effiziente und wirksame Erbringung von Dienstleistungen, insbesondere auf Länderebene, an die Organisationen richten, so auch, was eine stärkere Verklammerung von multilateraler und bilateraler Hilfe und von Notstandshilfe, Hilfe in der Notstandsfolgezeit und Entwicklungshilfe angeht. Außerdem werden zur Zeit Maßnahmen eingeleitet, um den Ausschuß besser zu befähigen, systematische Anschlußmaßnahmen an die von ihm verabschiedeten Schlußfolgerungen und Beschlüsse im ganzen System zu überwachen und zu lenken.
182. Was die Nebenorgane des Verwaltungsausschusses für Koordinierung angeht, werden zur Zeit Schritte unternommen, um ihre Tätigkeit stärker politik- und aufgabenorientiert zu gestalten und die Kostenwirksamkeit insgesamt zu erhöhen. Die breitere Nutzung von elektronischen Netzen, die bessere Inanspruchnahme der Einrichtungen gemeinsam finanzierter Sekretariate, ein häufigerer Rückgriff auf "federführende Stellen" oder "Koordinierungsstellen" sowie die flexible Heranziehung von Arbeitsgruppen oder Arbeitsstäben der jeweiligen Organisationen für eng umschriebene Zwecke gehören zu den Mitteln, durch die eine Senkung der Zahl der interinstitutionellen Tagungen und ein Mehr an Einsparungen und allgemeiner Effizienz bewirkt werden sollen.
183. Während des Berichtszeitraums fuhr der Ausschuß außerdem damit fort, Reformprozesse im gesamten System, insbesondere auch den Ausbau interinstitutioneller Vorkehrungen auf Landesebene, zu prüfen und zu fördern, die Finanzsituation systemweit zu überwachen und im Management des gemeinsamen Systems Verbesserungen einzuführen.
184. Mit Stand vom 31. Juli 1996 beliefen sich die nicht entrichteten Beiträge auf über 3 Milliarden Dollar. Von diesem Betrag entfielen 0,8 Milliarden Dollar auf den ordentlichen Haushalt und 2,2 Milliarden auf den Haushalt für Friedenssicherungseinsätze (siehe Abb. 7). Lediglich 83 Länder sind ihren Beitragsverpflichtungen für den ordentlichen Haushalt 1996 in voller Höhe nachgekommen.
Abb. 7:
Stand der Beiträge: Friedenssicherung und ordentlicher Haushalt
185. Der Betrag, den die Organisation Ende 1995 von den Friedenssicherungskonten entleihen mußte, um die dringend benötigten Barmittel für den ordentlichen Haushalt aufzubringen, erreichte mit 176 Millionen Dollar eine noch nie dagewesene Höhe. Gleichfalls war es noch nie vorgekommen, daß die von Friedenssicherungskonten geliehenen Beträge nicht vor Ende des Jahres zurückgezahlt wurden, was dazu führte, daß die Organisation das Jahr 1996, was den ordentlichen Haushalt anging, mit einer negatIVen Liquiditätsbilanz begann.
186. Im weiteren Verlauf des Jahres 1996 führten Verzögerungen und Ungewißheiten bei der Entrichtung der veranlagten Beiträge durch die Mitgliedstaaten zwei weitere Male zu einer negatIVen Liquiditätsbilanz für die Organisation - zum ersten Mal Ende Mai, das zweite Mal Ende Juli. Dies zwang die Organisation erneut dazu, vorübergehend Geld von den Friedenssicherungskonten zu leihen, mit dem Ergebnis, daß die Vereinten Nationen den Mitgliedstaaten bis Ende 1996 675 Millionen Dollar für von ihnen zur Verfügung gestellte Soldaten und Ausrüstung schulden werden. Der Umstand, daß bis zum 24. Juli 1996 80 Mitgliedstaaten ihre Beiträge zum ordentlichen Haushalt in voller Höhe entrichtet haben - verglichen mit 57 Mitgliedstaaten zum gleichen Termin im vergangenen Jahr -, und der Beschluß der Generalversammlung, verfügbare Mittel aus früheren Mandaten vorläufig nicht mit den für Friedenssicherungseinsätze veranlagten Beiträgen zu verrechnen, haben die allgemeine Liquiditätslage der Organisation verbessert. In dieser Hinsicht bin ich dankbar für die Anstrengungen, die viele Mitgliedstaaten unternommen haben. Was den ordentlichen Haushalt angeht, sind wir nach wie vor mit einer sich ständig verschlechternden Haushaltslage konfrontiert, mit einem anhaltend negatIVen Cashflow, der bereits vorhanden ist und den Prognosen zufolge über viele Monate des Jahres bestehen bleiben wird. Wenn nicht vor Ende des Jahres beträchtliche zusätzliche Beiträge eingehen, werden die für den ordentlichen Haushalt und die Friedenssicherungshaushalte der Vereinten Nationen verfügbaren liquiden Mittel einen gefährlich niedrigen Stand erreichen.
187. In einer Rede vor der Hochrangigen, allen Mitgliedstaaten offenstehenden Arbeitsgruppe für die Finanzlage der Vereinten Nationen im Februar 1996 hob ich hervor, in welchem Maße sich die Finanzkrise zugespitzt habe. Ich erklärte, wenn der Organisation die Weiterarbeit ermöglicht werden solle, müßten sofort Maßnahmen ergriffen werden, während wir über die langfristige Lösung des Problems nachdächten und diese erörterten. Zur Bewältigung der unmittelbaren kurzfristigen Barmittelkrise müßten die Mitgliedstaaten ihren Verpflichtungen nachkommen und ihre Beiträge für das laufende Haushaltsjahr sowie alle Beitragsrückstände aus vorangehenden Jahren entrichten. Längerfristig müsse eine neue Beitragstabelle erarbeitet werden, die das Vertrauen aller Mitgliedstaaten genieße. Ich betonte gegenüber der Arbeitsgruppe, daß die Beitragstabelle den weltumspannenden Charakter der Vereinten Nationen zum Ausdruck bringen solle. In diesem Zusammenhang vertrat ich die Auffassung, daß durch die Entrichtung einer Gesamthöchstgrenze von 20 oder 15 Prozent für die Pflichtbeiträge eines Mitgliedstaats zum ordentlichen Haushalt der Vereinten Nationen eine ausgewogenere Verteilung der Beitragslast erreicht und der Tatsache besser Rechnung getragen würde, daß die Vereinten Nationen Instrument aller Nationen sind.
188. In der Erklärung, die ich im März 1996 vor der Allen Mitgliedstaaten offenstehenden hochrangigen Arbeitsgruppe zur Stärkung des Systems der Vereinten Nationen abgab, erwähnte ich noch eine weitere wichtige Voraussetzung für die langfristige Überwindung der Finanzkrise, nämlich Änderungen im Haushaltsverfahren, das in seiner heutigen Form zu komplex und zu starr ist. Das Haushaltsverfahren muß vereinfacht und neu orientiert werden, damit es sowohl für den Generalsekretär als auch für die Mitgliedstaaten ein flexibles und wirksames Instrument für die Ausrichtung der Grundsatzpolitik und für das Management sein kann. Der Programmhaushaltsplan würde die erforderlichen Mittel für vereinbarte strategische Prioritäten zuweisen, jedoch die Flexibilität wahren, um auf sich ändernde Anforderungen einzugehen.
189. Die Hochrangige, allen Mitgliedstaaten offenstehende Arbeitsgruppe für die Finanzlage der Vereinten Nationen schloß ihre Beratungen am 4. Juni 1996 mit der Billigung eines Berichts ab, der der Generalversammlung auf der fünfzigsten Tagung vorgelegt werden soll. Die Allen Mitgliedstaaten offenstehende hochrangige Arbeitsgruppe zur Stärkung des Systems der Vereinten Nationen stellte am 25. Juli 1996 ihren Bericht über den Stand ihrer Arbeit fertig; auch dieser Bericht wird der Versammlung auf ihrer fünfzigsten Tagung vorliegen.
190. Das von Gillian Martin Sorensen geleitete Sekretariat für den fünfzigsten Jahrestag konzipierte ein anspruchsvolles globales Programm von GedenkaktIVitäten und -produkten und führte dieses durch. Eine Vielzahl von Materialien, insbesondere Pressemappen, Informationsblätter, Ansagen für Fernsehen und Rundfunk, eine Informationsbroschüre, Photosammlungen, in denen die "Vereinten Nationen in Aktion" dargestellt waren, eine Broschüre über die Charta sowie Poster wurden weltweit verbreitet. Eine Photoausstellung wurde veranstaltet und eine Reihe von interaktIVen Multimedia-Kiosken eingerichtet. Zu den Zielgruppen der Werbe- und Informationsanstrengungen gehörten teilnehmende Schulen, die Medien, die Gesellschaften für die Vereinten Nationen, das Netz der Informationszentren der Vereinten Nationen sowie die von über 150 Staaten eigens zur Mitwirkung an der Begehung des fünfzigsten Jahrestags geschaffenen nationalen Komitees. Die meisten der genannten Produkte und Materialien sind weiterhin aktuell und werden für eine Reihe von Jahren verwendbar sein.
191. Die verschiedenen im Kontext des Jahrestags durchgeführten AktIVitäten erreichten ein sehr viel umfangreicheres und breiter gestreutes Publikum als jedes andere einzelne Vorhaben in der Geschichte der Vereinten Nationen. Zusätzlich zu der Sondergedenksitzung fanden Konferenzen, Debatten, Dokumentarsendungen, Konzerte, Ausstellungen, Aufsatzwettbewerbe, Sportveranstaltungen, Gottesdienste und Zusammenkünfte mit Vertretern verschiedener Glaubensrichtungen statt. Zu den Teilnehmern gehörten Präsidenten, Premierminister, Vertreter verschiedener Königshäuser, Diplomaten, Pressevertreter, geistliche Vertreter sämtlicher Religionen der Welt, Wissenschaftler, Vertreter nichtstaatlicher Organisationen, Studenten, Offiziere sowie kommunale und nationale Amtsträger. Im Mittelpunkt aller Veranstaltungen standen insbesondere immer die jungen Menschen, und sowohl in den Oberschulen als auch an den UnIVersitäten wurde eine beeindruckende Zahl von Vereinte-Nationen-Rollenspielprogrammen organisiert.
192. Die Sondergedenksitzung der Generalversammlung, die vom 22. bis 24. Oktober 1995 am Amtssitz stattfand, war ein solches historisches Ereignis. Dank einer ausgedehnten, ins Detail gehenden Planung und des weitgespannten Unterstützungssystems, das die Mitarbeiter der Vereinten Nationen, die Stadt New York und die Sicherheitsorganisationen bereitstellten, konnten die führenden Politiker der Welt in Sicherheit und Würde an- und abreisen, die Feierlichkeiten genießen, ihre Auffassungen kundtun und durch ihre Worte und ihre Präsenz das Bekenntnis der Mitgliedstaaten zu den Vereinten Nationen auf höchster politischer Ebene bekräftigen.
193. Eines der wichtigsten Ergebnisse des Gedenkjahres war der Anstoß, den das Jahr zu einer ernsthaften Auseinandersetzung mit den Vereinten Nationen bot. Die Erfahrungswerte und die Verstandeskraft von Wissenschaftlern und Forschern, von "Think tanks", Regierungen, Parlamenten, ehemaligen Diplomaten, Journalisten und Historikern flossen in diese Auseinandersetzung ein, vertieften den ohnehin intensIVen und konstruktIVen weltweiten Dialog über die Zukunft der Vereinten Nationen und ließen ein neues wissenschaftliches Kapitel über die Vereinten Nationen und ihre Arbeit entstehen. Die Ergebnisse dieser Forschung werden von den verschiedenen Arbeitsgruppen der Generalversammlung weithin als Referenzmaterial herangezogen. Das Literaturverzeichnis des Kompendiums der Allen Mitgliedstaaten offenstehenden, hochrangigen Arbeitsgruppe zur Stärkung des Systems der Vereinten Nationen, das zur Zeit gerade zusammengestellt wird, enthält nahezu 300 Studien und Berichte, die im Laufe des Gedenkjahres vorgelegt wurden.
194. Die Postverwaltungen fast aller Mitgliedstaaten gaben anläßlich des fünfzigsten Jahrestags der Vereinten Nationen Gedenkbriefmarken heraus, und über 50 Mitgliedstaaten ließen zu diesem Anlaß Gedenkmünzen prägen. Die daraus bezogenen Einnahmen werden den Vereinten Nationen noch einige Jahre lang zufließen.
195. Die nationalen Komitees zum fünfzigsten Jahrestag der Vereinten Nationen waren unterschiedlich stark aktIV und verfügten über ein unterschiedliches Maß an InitiatIVe. 152 Staaten setzten offizielle Ausschüsse ein, wohingegen andere über bestehende Gesellschaften für die Vereinten Nationen tätig wurden. Aus den auch weiterhin eingehenden Länderberichten geht hervor, daß in vielen Ländern die zum fünfzigsten Jahrestag der Vereinten Nationen ergriffenen InitiatIVen, insbesondere in den Schulen, noch über lange Zeit hinweg fortgesetzt werden. An den Hochschulen werden heute beispielsweise mehr Diskussionsrunden und Veranstaltungen über die Vereinten Nationen und die internationalen Organisationen angeboten als je zuvor.
196. Die ein Jahr lang andauernden Jubiläumsveranstaltungen sind zu Ende gegangen, und das Sekretariat für den fünfzigsten Jahrestag der Vereinten Nationen wurde aufgelöst, doch die gewonnenen Lehren und die erzielte Wirkung kommen der tagtäglichen Arbeit der Organisation auch weiterhin zugute. Die Begehung des fünfzigsten Jahrestags hatte insofern Katalysatorwirkung, als es dank ihr zu einem entscheidenden Moment in der Weltgeschichte zu einem innovatIVen und zukunftweisenden Meinungsaustausch über die Vereinten Nationen kam. Dabei wurden die Leistungen der Vereinten Nationen im ersten halben Jahrhundert ihres Bestehens gewürdigt und gleichzeitig der Kurs für die nächsten 50 Jahre abgesteckt. Wichtiger als alles andere war jedoch, daß die Begehung des Jahrestages dazu beigetragen hat, den Kreis der Fürsprecher der Vereinten Nationen zu erweitern - derjenigen, die sie als Weltorganisation, die im Dienst ihrer Mitgliedstaaten und deren Bevölkerung tätig ist, verstehen und unterstützen.
197. Der Verwaltungsrat der UnIVersität der Vereinten Nationen (UNU) hielt seine zweiundvierzigste Tagung vom 4. bis 8. Dezember 1995 am Sitz der UnIVersität in Tokio ab. Gegenstand seiner Beratungen, bei denen Rektor Heitor Gurgulino de Souza den Vorsitz führte, waren die Schwerpunkte der Arbeit der UnIVersität bis zum Ende dieses Jahrhunderts.
198. 1995 errichtete der Rat in Tokio in unmittelbarer Nachbarschaft zum Sitz der UnIVersität das fünfte Forschungs- und Ausbildungszentrum der UnIVersität, das UNU-Institut für fortgeschrittene Studien, dessen Aufgabe es ist, sich mit ausgewählten globalen Fragestellungen auf der Tagesordnung der Vereinten Nationen auseinanderzusetzen. Die verschiedenen anderen Forschungs- und Ausbildungszentren und -programme der UnIVersität dehnten ihren Tätigkeitsbereich weiter aus, um der steigenden Nachfrage nach interdisziplinären wissenschaftlichen Forschungsarbeiten und Ausbildungsgängen gerecht zu werden. Ein weiterer Höhepunkt des Jahres war die offizielle Arbeitsaufnahme der Internationalen Führungsakademie der UNU in Amman.
199. Vom 1. September 1995 bis zum 30. Juni 1996 veranstaltete die UNU weltweit etwa 100 wissenschaftliche Tagungen. Bis zum 30. Juni 1996 wurden insgesamt 73 Stipendien für die Ausbildung an UNU-Forschungs- und Ausbildungszentren sowie an angeschlossenen oder anderweitig kooperierenden Institutionen vergeben. Zu den wichtigsten Ausbildungsgebieten gehören geothermische Energie, Fernerkundungstechnologien, Ernährungswissenschaft und -technik, Milderung der durch seismische Ereignisse und Wirbelstürme bedingten Gefahren, Biotechnik sowie Nahrungsmittel und Ernährung. Im Jahr 1995 wurden 73 Prozent der UNU-Forschungsstipendiaten an Einrichtungen in den Entwicklungsländern und 27 Prozent an Instituten der Industrieländer ausgebildet. Seit 1976 haben über 1.420 UNU-Forschungsstipendiaten ihre Ausbildung abgeschlossen.
200. Die UnIVersität führt zur Zeit eine Bewertung ihrer Ausbildungs- und StipendienaktIVitäten durch, mit dem Ziel, eine Strategie zu entwickeln, die die kohärente Durchführung dieser AktIVitäten gewährleistet und insbesondere auch ein angemessenes geographisches Verteilungsgleichgewicht herstellt. Die UnIVersität ist außerdem bestrebt, die Breitenwirkung des UnIVerstitätsverlags zu erhöhen und die Verbreitung der Forschungsergebnisse wirksamer zu gestalten. In diesem Zusammenhang sei erwähnt, daß im Berichtszeitraum in New York und Tokio mit der Veröffentlichung der UNU-Reihe Public Forum (Öffentlichkeitsforum) begonnen wurde. Mit dieser Reihe sollen die Ergebnisse der von der UnIVersität durchgeführten Forschungsarbeiten bekanntgemacht, die Debatte über grundsatzpolitische AlternatIVen angeregt und ein Meinungsaustausch zwischen Praktikern und Wissenschaftlern in Gang gesetzt werden, der es der UnIVersität erleichtern soll, mögliche künftige Forschungsgebiete abzustecken. Bisher sind aus den Forschungsarbeiten der UnIVersität der Vereinten Nationen über 400 Bücher, 6 wissenschaftliche Zeitschriften sowie zahlreiche Forschungsarbeiten und -studien hervorgegangen.
201. Auf der Vierten Weltfrauenkonferenz stellte die UNU offiziell einen neuen Band vor mit dem Titel Women Encounter Technology: Changing Patterns of Employment in the Third World (Frauen begegnen der Technik: Beschäftigungsstrukturen in der Dritten Welt im Wandel). Im Vorfeld der Konferenz der Vereinten Nationen über Wohn- und Siedlungswesen (Habitat II) veranstaltete die UnIVersität im Sommer 1995 eine Konferenz über die Städte der Welt und die Zukunft der Stadt, an die sich unmittelbar eine von der UNU und dem Weltforschungsinstitut für Entwicklungsökonomie (WIDER) organisierte Konferenz über Wohn- und Siedlungswesen im Umfeld sich wandelnder globaler wirtschaftlicher und politischer Abläufe anschloß, die in Helsinki stattfand. Auf der Konferenz selbst veranstaltete die UnIVersität eine Podiumsdiskussion über das Thema Globalisierung und die Zukunft der Stadt und stellte im Rahmen der UNU/WIDER-Reihe Research for Action (Maßnahmenorientierte Forschung) den Band Habitat II and the Urban Economy (Habitat II und die Wirtschaft der Stadt) vor und veranstaltete eine UNU-Buchausstellung.
202. Mit Stand vom 31. Juli 1996 waren für den Stiftungsfonds, zur Deckung der Betriebskosten und als gezielte Programmbeiträge insgesamt 318,27 Millionen Dollar zugesagt worden, von denen 289,8 Millionen Dollar bereits eingegangen waren. Für die erste Hälfte des Jahres 1996 waren zu dem Stiftungsfonds und zur Deckung der Betriebskosten insgesamt 16,4 Millionen Dollar zugesagt beziehungsweise entrichtet worden; als gezielte Programmbeiträge wurden insgesamt 1.235.637 Dollar entrichtet. Aufgrund geringerer Anlageerträge aus ihrem Stiftungsfonds und eines schärferen Wettbewerbs um begrenzte Mittel sah sich die UnIVersität jedoch weiterhin mit finanziellen Schwierigkeiten konfrontiert. Während des gesamten Jahres wurden besondere Anstrengungen unternommen, um die Mobilisierung von Finanzmitteln zu verbessern.

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