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Diese Presseinformation ist kein offizielles Dokument der Vereinten Nationen. Sie wurde in Verantwortung des in der Datumszeile genannten Informationsbüros oder Informationsdienstes der Vereinten Nationen erstellt.


Pressedienst
6. August 1996

INCB findet Verfügbarkeit von legitimen Opiaten in vielen Ländern unzureichend

Trotz Versorgungslücken stieg der weltweite Morphium-Verbrauch zwischen 1972 und 1994 auf das Siebenfache

WIEN, 6. August (UNO-Informationsdienst) -- Versorgungsknappheit und eine überaus beschränkte Absatzpolitik verhindern in vielen Teilen der Welt die beste Behandlung für Schmerzpatienten, nämlich Morphium.

Dies sagt eine neue, heute veröffentlichte Studie des in Wien ansässigen Internationalen Suchtstoffkontrollrates (International Narcotics Control Board, INCB). Die Studie basiert auf Informationen von 65 Regierungen. 144 Staaten - darunter die meisten der am wenigsten entwickelten Länder - haben auf die vom Rat erstellten Fragebögen nicht geantwortet.

Die Studie mit dem Titel "Verfügbarkeit von Opiaten für den medizinischen Gebrauch" ("Availability of Opiates for Medical Needs") findet, daß trotz zehnjähriger Bemühungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) und von Gesundheitsexperten, die Verfügbarkeit von genügend Morphium und anderen Suchtstoffen für medizinische und wissenschaftliche Zwecke zu gewährleisten, viele Länder wenig oder nichts getan haben, um die Hindernisse für eine legitime Verwendung von solchen Suchtstoffen zu beseitigen. Dies bedeutet, daß Krebspatienten im Endstadium unnötig unbehandelte Schmerzen erleiden müssen.

Morphium wird von der WHO, zusammen mit anderen starken Schmerzmitteln, als notwendig für die Schmerzbehandlung bei Krebs betrachtet. Während allerdings - dem Bericht zufolge - dieser Suchtstoff, zusammen mit anderen Opiaten, in einer Liste für "unentbehrliche Suchtstoffe" geführt wird, welche auf Empfehlung des Rates auf breiter Basis zu vernünftigen Preisen zur Verfügugn stehen sollten, haben nur 46 Prozent der Länder geantwortet, daß es in allen allgemeinen Krankenhäusern verfügbar war. Nur 48 Prozent der Länder berichteten, daß Morphium in allen Krankenhäusern mit onkologischen Programmen in jeder Dosierung vorhanden war.

"Das sind schockierende Zahlen", kommentiert der Sekretär des Rates, Herbert Schaepe. "Aber der Rat ist ebenso betroffen, daß auch die Regierungen, die nicht geantwortet haben - sie repräsentieren immerhin die Hälfte der Weltbevölkerung - möglicherweise noch weniger machen, um den Empfehlungen des Rates bezüglich der Opiat-Verfügbarkeit nachzukommen." Die Länder, die geantwortet haben, waren jene, die Erfolge zu verzeichnen hatten.

36 Regierungen antworteten, daß sie untersuchten ob es Faktoren in ihren Gesundheitssystemen und Gesetze gab, die die Verwendung von Opiaten für medizinische Zwecke verhinderten. Von den 27 Regierungen, die diese Untersuchungen nicht durchgeführt hatten, sagten 12, daß sie es planten. Die angeführten Haupthindernisse waren Sorge über Drogensucht (72 Prozent), gefolgt von ungenügender Ausbildung des medizinischen Personals und restriktive Suchtstoff-Verordnungen (59 Prozent).

Der Bericht verzeichnet einen Anstieg beim weltweiten Morphium-Konsum von ungefähr 2 Tonnen im Jahr 1972 auf 14 Tonnen im Jahr 1994, mit steigender Tendenz speziell bemerkbar in Frankreich, Deutschland, Japan, dem Vereinigten Königreich und den Vereinigten Staaten - Länder, die Schmerzprogramme für Krebspatienten eingeführt hatten. Andere Länder, einschließlich China, Indien, Indonesien, Mexiko, Polen, Spanien und Simbabwe, sagten, daß sie ihre Schmerzlinderungsprogramme ausweiteten und deshalb einen steigenden Morphium-Verbrauch von 25 auf 50 Prozent in den nächsten Jahren erwarteten.

Einige der Faktoren, die eine Vorantreibung der verbesserten Schmerzbehandlung bewirken, ist das Ansteigen der älteren Bevölkerung wie auch der Krebs- und AIDS-Patienten.

Was hält die schmerzlindernden Opiate zurück? Nach den Worten Schaepes zögern viele Länder, Opiate zur Schmerzlinderung freier zugängig zu machen bevor sie entsprechende Kontrollen eingeführt haben. Diese Kontrollen sollen versichern, daß solche Medikamente nicht auf die illegalen Märkte gelangen. Außerdem wählt das medizinische Personal in Ländern mit strikter und komplexer Opiat-Regelung die synthetische, allerdings weniger effiziente Herstellung, die nicht das Risiko einer strafrechtlichen Verfolgung nach sich zieht.

Der Rat, der regelmäßig die Weltdrogenszene und die Einhaltung der drei Internationalen Drogenkonventionen durch die Länder überprüft, wurde 1968 als unabhängiges und quasi-gerichtliches Kontrollorgan geschaffen. Er trat an die Stelle früherer Gremien, die die Konventionen seit der Zeit des Völkerbundes kontrolliert hatten. Unabhängig von Regierungen und den Vereinten Nationen operierend, bemüht sich der Rat zu gewährleisten, daß eine ausreichende Versorgung von Suchtstoffen für medizinische und wissenschaftliche Verwendung zur Verfügung steht und daß ein Verschwinden in den illegalen Handel nicht entsteht. Die 13 Mitglieder des Rates handeln eigenverantwortlich als Experten auf den medizinischen, pharmazeutischen und juristischen Gebieten.

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UNIS Vienna, Tel. 21345-4666, Fax: 21345-5899

Der komplette Bericht, ohne Graphiken, ist

in Englisch, Französisch und Spanisch unter folgender Internet-Adresse abrufbar:

http://undcp.or.at/incb_hp.html



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